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"Friedensprojekt Europa"

Podiusmdiskussion "Friedensprojekt Europa"

Eurokrise, Populismus und Brexit – in Europa brodelt die Stimmung. Auf der Konferenz „Quo vadis Europa?“ haben die Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms und der Soziologe Hans Joas in einer Podiumsdiskussion in der Aula am Wilhelmsplatz über die Aussichten für das Friedensprojekt Europa gesprochen.

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Grünen-Europapolitikern Rebecca Harms (links), Moderatorin Ulrike Bosse und der Soziologe Hans Joas.   

Quelle: Mischke

Göttingen. „Gegründet als Friedensprojekt, erfolgreich als Wirtschaftsprojekt“, charakterisiert Moderatorin Ulrike Bosse die Europäische Union. An diesem Abend wird über viele Facetten Europas gesprochen, manchmal werden sie auch vermischt. Europa ist Kontinent, politische Union, Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft. Für die Frage, wozu wir Europa brauchen, gibt es deshalb auch verschiedene Antworten.

Das Wunder Europäische Union

Für die Abgeordnete im Europa-Parlament Harms ist Europa immer noch ein Garant für Frieden: „Die Erfahrung der Rückkehr des Krieges auf den Kontinent macht es für mich nochmal einfacher, das alte Friedensnarrativ in den Mittelpunkt zu stellen.“ Die Entstehung der Europäischen Union bezeichnet sie als „Wunder“, dessen Verteidigung sie fordert. Ihr Diskussionspartner Joas stört sich an der „idealisierenden“ Betrachtung Europas: „Europa ist kein Wert.“ Vielmehr müsse Europa daran gemessen werden, ob es Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bewahren und gewährleisten könne.

Diskussion

Moderatorin Ulrike Bosse hatte keinen leichten Job, denn kurze Antworten wollten weder die Abgeordnete aus Brüssel noch der Professor aus Berlin geben. Statements mit Ja oder Nein zu beantworten kam für die beiden Diskutanten gar nicht in Frage. „Die Ebene, die am schlechtestes verstanden wird, die wird zuerst abgewählt“, erklärt die Grünen-Politikerin Rebecca Harms die sinkende Zustimmung der EU-Bürger für das gemeinsame Projekt. Um dem entgegenzuwirken, waren ausführliche Antworten an diesem Abend auch die bessere Lösung. joe

Die Präsidentschaftswahl in den USA und der Deutschlandbesuch von Obama haben die Frage aufgeworfen, ob Europa nun die westlichen Werte verteidigen muss und verstärkt weltpolitischer Akteur werden soll. Wieder wehrt sich Joas gegen ein Rosarot-Malen: „Wir sollten nicht das idealisierende Bild Europas als Friendensfreunde haben. Es könnte für den Frieden der Welt besser sein, wenn es keinen europäischen Akteur gibt.“ Auch Harms hält die Idee, Europa könnte die USA als Supermacht ablösen, für wenig realistisch.

Die Kirche im Dorf lassen

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit war bisher Motor der europäischen Integration. Gemeinsame Werte und wirtschaftlicher Erfolg sind Gründe für die europäische Einigung, meint Joas, aber es seien nicht die einzigen. Kritisch sieht er auch den Euro: „Die Europäische Währungsunion produziert Effekte, die Frieden eher gefährden als fördern. Die Konstruktionsfehler dieser Währungsgemeinschaft seien bekannt. Daraus leitet sich für den Soziologen die Frage ab, ob diese Fehler zu einer Auflösung oder einer Fortführung der Europäischen Union führen. Harms hält dagegen: „Ich halte es für falsch, das ‚Alles oder Nichts‘ zu bespielen.“

Sie plädiert für eine Bilanz des Erreichten und dafür, „die Kirche im Dorf zu lassen, wenn man über die Enttäuschung spricht“. Man dürfe mit Europa nicht zu viel versprechen, die bisherigen Leistungen aber nicht sorglos über Bord werfen, indem man über die Abschaffung der EU nachdenkt.

Von Jorid Engler

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