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Bunter Saft für krebskranke Kinder

Fruchtalarm im Klinikum Bunter Saft für krebskranke Kinder

Die verrücktesten Cocktails aus Säften und Sirups dürfen sich Kinder und Jugendliche einmal in der Woche im Göttinger Uniklinikum mixen. Mittwochs steht das Projekt Fruchtalarm auf der Station auf dem Programm, auf der junge Krebspatienten behandelt werden. Zwei Frauen, meistens Studentinnen, sorgen für gute Laune.

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Bunte Säfte beim Projekt Fruchtalarm.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Die jungen Patienten langweilen sich oft, unser Besuch gehört zu den Höhepunkten der Woche“, erzählt Jaqueline Henschke (23), die gemeinsam mit einer anderen Ehrenamtlichen den Einsatz von sechs Helferinnen, Fruchties genannt, koordiniert. Jeweils für drei Stunden kommt ein Zweier-Team mit der mobilen Cocktailbar auf die Station. In Göttingen herrscht dann meistens in der Gemeinschaftsküche schon Hochbetrieb. Eine Erzieherin bastelt dort mit Kindern. Auch Eltern sind dabei.

Jede Farbe möglich

„Manche der jungen Patienten halten sich am Anfang zurück, doch das Eis ist schnell gebrochen“, erzählt Henschke, die Sozialwissenschaften studiert. Kinder versuchen, für ihre Eltern oder Geschwister die ekligsten Mischungen zusammenzustellen und staunen am Ende, wie lecker alles schmeckt. „Wir bekommen jede Farbe hin, selbst wischwassergrau“, sagt Raisa Barthauer (28), die Kulturanthropologie und Germanistik studiert hat und heute als Projektmanagerin im Klinikum arbeitet.

Von-Laer-Stiftung

„Initiiert worden ist das Projekt Fruchtalarm von Marcel Lossie, der seinen achtjährigen Sohn durch Krebs verloren hat“, berichtet Peggy Brammert von der Projektleitung aus Bielefeld. Der Eventmanager hatte die Idee mit dem Cocktailwagen. 2010 lief das Projekt in Bielefeld an. Die Von-Laer-Stiftung, die sich in der Jugendhilfe engagiert und in zahlreichen Einrichtungen 360 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt, übernahm es 2012. Den Fruchtalarm gibt es mittlerweile in 16 Städten. 120 Ehrenamtliche machen mit. „Wir wollen in den kommenden Jahren auf allen der mehr als 50 Stationen in Deutschland, die sich um krebskranke Kinder kümmern, unsere Fruchtcocktails mixen“, sagt Brammert. Derzeit sucht das Projekt noch Helfer in Göttingen. Mitmachen können auch Männer.

Auch Geschmacksnoten wie süß, sauer oder bitter stellen für die Fruchties kein Problem dar. „Die Kinder äußern oft ungewöhnliche Wünsche“, erklärt Barthauer. Der Grund: Durch die Chemotherapie kommt es zu Veränderungen beim Geruchs- und Geschmackssinn. Manche der kleinen Patienten wollen auch nur einen Eiswürfel lutschen, weil Mund und Rachen wund sind. Die Fruchtalarm-Mitarbeiterinnen kommen mit ihrem Wagen in jedes der neun Zimmer auf Station. Sie vergessen niemanden, auch nicht die Eltern, Schwestern und Ärzte.

Vierteljährlicher Austausch

„Wir haben viel Spaß zusammen“, betont Henschke. Die Fruchties erlebten aber auch Belastendes. Sie hätten es zum Teil mit erschöpften, verzweifelten Eltern zu tun, die auf dem Gang in Tränen ausbrechen würden. „Wir können jederzeit bei der Projektleitung in Bielefeld anrufen“, betont die Koordinatorin. Vierteljährlich treffe sich die Göttinger Gruppe zum Austausch. „Wir achten bei der Auswahl der Ehrenamtlichen darauf, dass sie lebensfroh, emotional gefestigt und gesund sind“, sagt Projektleiterin Peggy Brammert (39) aus Bielefeld. Infos unter  http://www.fruchtalarm.info/ 

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