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Funde aus dem Urwald, der Wüste und dem ewigen Eis

Geowissenschaftliches Zentrum Funde aus dem Urwald, der Wüste und dem ewigen Eis

Tonnenweise Vulkangestein lagert Gerhard Wörner auf dem geräumigen Dachboden des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen. Seit den 80er-Jahren trägt der Professor systematisch Proben aus den Anden und anderen Regionen zusammen.

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Allein in den Anden hat er 15 Tonnen Gesteinsproben gesammelt: Gerhard Wörner auf dem Dachboden des Geowissenschaftlichen Zentrums.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Tonnenweise Vulkangestein lagert Prof. Gerhard Wörner auf dem geräumigen Dachboden des Geowissenschaftlichen Zentrums in Göttingen. Seit den 80er-Jahren trägt er systematisch Proben aus den Anden und anderen Regionen zusammen. Für die Campus-Ansichten-Reihe (Folge 62) öffnete er sonst verschlossene Türen.

Die Neonröhren unter der Decke sorgen für fahles Licht auf dem Dachboden. In alten, schön gemaserten Holzschränken bewahrt der Geochemiker und Vulkanforscher seine Funde.

15 Tonnen Gestein aus den Anden

Zu jeder einzelnen Probe gibt es einen Zettel. Auf ihm sind die laufende Nummer, das Jahr der Entnahme und der Fundort mit den GPS-Daten vermerkt. „Allein aus den Anden habe ich 15 Tonnen Gestein nach Göttingen gebracht“, berichtet Wörner. Im Drei-Länder-Eck von Peru, Bolivien und Chile, wo sich die Atacama-Wüste erstreckt, besteigt er mehr als 5000 Meter hohe Vulkane.

Zeigt wertvolle Gesteinsproben

Zeigt wertvolle Gesteinsproben: Gerhard Wörner.

Quelle: Christoph Mischke

„Um die Region, die reich an Salpeter ist, wurde bereits Krieg geführt“, weiß der Wissenschaftler. In seinem 1500 Kilometer breiten Forschungsgebiet gibt es daher vereinzelt Minenfelder. Das Kartenmaterial ist schlecht. Zu schaffen macht dem Team auch die Höhenluft, die wenig Sauerstoff enthält. Das verursacht Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen.

Bewohnt wird die unwirtliche Region von Indios. Einer Frau half Wörner, gebrannte Lamaknochen auf den Markt zu bringen. Aus ihnen lässt sich Seife sieden. Einem Bräutigam transportierte er mit dem Geländewagen Steine für den Hausbau ins Dorf. Die Menschen bewirten ihn mit Popcorn und mit Chicha, Maisbier, aus alten Konservenbüchsen.

Doch nicht nur in den Anden ist der Geochemiker unterwegs. Er sammelte bereits im ostsibirischen Kamtschatka Vulkangestein. Zu Vulkanen im mittelamerikanischen Urwald flog er mit dem Hubschrauber. „Einmal konnte der Helikopter wegen eines Defekts nicht mehr starten“, erinnert er sich. Stundenlang lief er durch den Dschungel, um Hilfe zu holen.

Vulkanglas und Kristalle

In der Antarktis stürzte sein Hubschrauber ab. Wegen der Gletscherspalten konnten der Pilot und er nicht weglaufen. Sie duckten sich in einiger Entfernung in den Schnee und hatten Glück. Die noch laufende Turbine explodierte nicht. Ein Begleithubschrauber rettete die beiden.

Vielfältig sind die Proben, die Wörner in den vergangenen 30 Jahren nach Göttingen holte. Da gibt es Bimsstein, auf Wasser schwimmende Schaumlava. Obsidian, Vulkanglas, entsteht, wenn zähflüssiges Magma an der Oberfläche schnell abkühlt. Kühlt es dagegen langsam in der Erdkruste aus, finden sich im Gestein Kristalle.

Wörners Team bricht das Gestein, trennt die Minerale ab und stellt daraus Pulver her. Mit Hightech-Geräten wie der Elektronenmikrosonde und dem ICP-Massenspektrometer analysieren die Forscher sie chemisch und physikalisch. So verstehen sie die Entstehung der Magmen, die Entwicklung von Vulkanen sowie Prozesse in der Magmakammer vor dem Ausbruch besser. „Die Analysen, und nicht das Sammeln von Proben im Gelände, stehen im Zentrum unserer Arbeit“, stellt der Wissenschaftler klar.

„Der Wert einer jeden Probe steigt mit der Zahl der Untersuchungen, die an ihr durchgeführt werden“, erklärt der Professor. Jeder Fund ist ein erdgeschichtliches Archiv, dem sich immer neue Informationen entlocken lassen. Deshalb verschickt Wörner nach Abschluss eigener Analysen Proben für weitere Untersuchungen an Wissenschaftler weltweit.

„Damit die Sammlung langfristig nutzbar bleibt, will ich sie in den kommenden Jahren in ein wissenschaftliches Archiv überführen“, kündigt Wörner an. An einem Antrag für ein entsprechendes Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft schreibt er gerade.

Von Michael Caspar

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