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Göttingen Platzhirsch Universität des dritten Lebensalters
Campus Göttingen Platzhirsch Universität des dritten Lebensalters
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13:44 02.08.2018
Hörer bei der Universität des dritten Lebensalters. Quelle: r
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Göttingen

Folgt man der Landesstatistik über die Zahl der Gasthörer an niedersächsischen Hochschulen, dann werden Kurse der Universität Hannover etwa viermal so stark von interessierten Bürger besucht wie jene an der Universität Göttingen. Doch in Göttingen ist das Gasthörersystem etwas anders organisiert.

Gasthörerzahlen im Vergleich

Im Wintersemester 2017/18 waren an niedersächsischen Hochschulen rund 3700 Gasthörer eingeschrieben. Für ausgewählte Hochschulen waren es im einzelnen:

Universität Oldenburg (15600 Studenten): 642

Universität Osnabrück (14000 Studenten): 339

TU Braunschweig (20000 Studenten): 256

Universität Hannover (28500 Studenten): 935

Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (6000 Studenten): 554

Universität Göttingen (31600): 251 (plus 740 aus der Universität des dritten Lebensalters).

Im Vergleich zum vorherigen Wintersemester sank die Zahl der Gasthörer landesweit um 3,9 Prozent. Etwa ein Drittel der Gasthörer war jünger als 30 Jahre, das Gros der Gasthörer ist über 60 Jahre alt.sg

In Hannover beispielsweise schreiben sich Gasthörer und Senioren direkt über die Universität ein – die Hochschulen melden diese Daten dann an das Landesamt für Statistik. Rund 1000 Gasthörer verzeichnen die Hannoveraner, während Göttingen nur etwa 250 verzeichnet. Göttingen ist jedoch eine der wenigen deutschen Hochschulen, an denen parallel zum Gasthörerstudium noch ein eingetragener Verein existiert, der das Seniorenstudium anbietet – die sogenannte Universität des dritten Lebensalters (UdL).

Keine Altersgrenze

Wobei „Senior“ von der UdL dann doch eher weit gefasst wird: „Wir reden zwar vom Studieren ab 50, setzten aber letztlich keine Altersgrenze“, so Professor im Ruhestand Hopst Keppler, Vorsitzender der UdL. Im vergangenen Wintersemester hatte die UdL 740 eingeschriebene Teilnehmer, im Sommersemester sind es rund 200 weniger. „Die meisten Leute, die uns besuchen, haben Abitur oder selbst studiert, aber das Abitur ist keine Voraussetzung“, betont Keppler. „Vereinzelt haben wir auch Teilnehmer, die kein Abitur haben. Aber wir würden uns freuen, wenn noch mehr Leute diese Scheu vor der UdL verlieren würden. Im Titel steht Universität und das scheint eine Reihe Menschen abzuschrecken.“

Für die Teilnahme an den UdL-Veranstaltungen und ausgewählten Veranstaltungen der Universität zahlen Mitglieder 125 Euro pro Semester. Der Gasthörer-Status an der Universität kostet hingegen 75 Euro für den Besuch von maximal vier Semesterwochenstunden und für alles darüber 150 Euro.

Eigene Veranstaltungen mit eigenen Dozenten

Die UdL ist dadurch gekennzeichnet, dass sie eigene Veranstaltungen mit eigenen Dozenten anbietet. Thematisch liegen die Schwerpunkte auf Kunstgeschichte, Architektur und Geschichte, ergänzend kommen gelegentlich Exkursionen hinzu. Allerdings können auch ausgewählte universitäre Veranstaltungen besucht werden, deren Auswahl aber auf eine möglichst große thematische Vielfältigkeit ausgelegt ist. Wichtig ist Keppler, dass niemand Angst vor den Veranstaltungen haben muss. Es existiert kein Prüfungsdruck, man kann ohne fachliche Vorkenntnisse teilnehmen, und niemand wird gezwungen, an den Diskussionen teilzunehmen.

Mit ihrer thematischen Schwerpunktsetzung liegt die UdL im Landestrend: Geisteswissenschaften machen etwa ein Viertel, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften ein weiteres Viertel der nachgefragten Veranstaltungen aus, der Rest verteilt sich auf viele andere Bereiche. Die Landesstatistik zeigt einen leichten Rückgang der Gasthörerzahlen, eine Entwicklung, die die Uni Göttingen so nicht bestätigt. Die Zahl der Gasthörer steige seit fünf Jahren kontinuierlich und habe sich allein vom Wintersemester 15/16 auf 17/18 verdoppelt.

Stagnation der Teilnehmerzahlen

Auch die Uni Hannover verzeichnet diesen Trend, so Thomas Bertram, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere und an der Leibniz Universität Hannover für den Bereich Gasthörer zuständig. Mit Voranschreiten des demografischen Wandels sei auch davon auszugehen, dass es mehr würden. Bei der UdL allerdings sieht Keppler seit etwa drei Jahren eine gewisse Stagnation der Teilnehmerzahlen. „Der normale Hörerstamm scheint ausgereizt zu sein.“

Von Sven Grünewald

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