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Göttingen Bachelor-Forscherteams stellen Projekte vor
Campus Göttingen Bachelor-Forscherteams stellen Projekte vor
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00:31 20.05.2018
Schreiben weibliche Dichter über andere Themen? Bachelor-Studenten erklären ihre Forschungsfrage. Quelle: Grünewald
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Göttingen

Die 14. Runde ist beendet: Fünf Teams aus Bachelor-Studenten haben ihre Projekte des Forschungsorientierten Lehrens und Lernens (FoLL) aus dem Wintersemester 2017/18 abgeschlossen. Die fünf Projekte des vergangenen Wintersemesters sind:

Aus der germanistischen Linguistik: „Gehen – ein neues Auxiliar im Deutschen?“

Sprache verändert sich. Eine Gruppe Germanisten hat untersucht, ob „gehen“ außer in seiner Funktion als Vollverb inzwischen auch als Hilfsverb genutzt wird, wie es in zahlreichen anderen Sprachen der Fall ist, etwa dem Englischen. „Geh sterben!“ in der Jugendsprache wäre so ein Beispiel. Das Ergebnis der Gruppe: Ja, eine entsprechende Tendenz gibt es im Deutschen. „Er geht duschen“ beispielsweise funktioniert problemlos, „Er geht das Bier austrinken“ funktioniert prinzipiell, wenn es auch gewöhnungsbedürftig klingt. „Er geht von Hamburg aus abfliegen“ allerdings klingt für deutsche Ohren falsch. Noch. Denn der Veränderungsprozess stehe im Deutschen noch ganz am Anfang, eine Grammatikalisierung dauere Jahrhunderte.

Aus der Chemie: „C–H-Aktivierung. Green Chemistry durch nachhaltige Mangankatalyse“

Für die Herstellung von Medikamenten spielt in der Pharmaindustrie ein Molekül namens Indol eine Rolle. An einer Stelle des zweifachen Kohlenstoffrings, der sogenannten C3-Stelle, wird durch einen Katalysator das Wasserstoff-Atom abgetrennt und durch etwas anderes ersetzt. So baut man sich in meinem mehrstufigen Prozess seine Wirkstoffe zusammen. Bislang werden als Katalysatoren teure Metalle wie Platin genutzt, es entsteht zudem viel Abfall. Ein erst seit rund zwei Jahren bekannter Katalysator, Mangan, schafft es hingegen, deutlich günstiger zu sein und Abfall zu vermeiden. Die Chemiker-Gruppe hat nun die Reaktionsmechanismus aufgeklärt, wie das Mangan wirkt.

Aus der Sportwissenschaft: „Lernen fürs Leben im Sportunterricht. Biographische Relevanz des Faches Sport“

Haben persönliche Biografien einen Einfluss darauf, wie der Schulsport wahrgenommen wird? Und umgekehrt: Beeinflusst der Schulsport die Biografie, indem etwa privat ebenfalls Sport gemacht wird? Der Frage ging eine Gruppe von Nachwuchssportwissenschaftlern nach, die meisten von ihnen angehende Lehrer. In offenen Interviews untersuchten sie die Verbindung zwischen der eigenen Biografie von Schülern, Absolventen und Studenten mit dem Schulsport. Ihr Fazit: Schulsport wirkt sich nur ansatzweise auf die Biografie aus, aber die Biografie spielt eine große Rolle für das Erleben des Sportunterrichts ist.

Aus der germanistischen Literaturwissenschaft: „Dichten Frauen anders? Weibliche Autorschaft vom Barock bis zur Gegenwart“

Ausgangspunkt für die Fragestellung der Gruppe war das Klischee, dass Frauen anders als Männer dichten würden, nämlich vorrangig über emotionale und Beziehungsthemen schrieben. Dazu passt auch die Aufmachung, in der weibliche Lyrik erscheint – rosa Umschläge etwa. Doch ist an dem Klischee etwas dran? Die Gruppe betrachtete die Gedichte von Frauen in vier Epochen: Barock (17. Jahrhundert), Goethe-Zeit (18. Jahrhundert), Expressionismus (Anfang 20. Jahrhundert) und Gegenwart. Ihr Fazit: Nein, das Klischee findet keine Betätigung. Frauen dichten nicht anders als Männer, wenn man sie lässt.

Aus der Politikwissenschaft: „Klimawandel auf den Halligen im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer“

Statt sich mit naturwissenschaftlichen Daten über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Halligen (befestigungslose Inseln) im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer zu befassen, untersuchten die Studenten vielmehr die sozialen Prozesse und Wahrnehmungen der Betroffenen. Aus Gesprächen vor allem mit Bewohnern der Hallig Hooge ergab sich, dass insbesondere die älteren Hooger die Veränderungen bemerken, im allgemeinen aber nicht panisch mit dem Thema umgegangen wird. Vielmehr lasse sich auch feststellen, dass die Umweltbedingungen zwar immer wieder eine Rolle spielen, aber gegenwärtig die sozialen Probleme wie Überalterung des Gemeinwesens viel dringlicher sind.

Von Sven Grünewald

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