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Messsystem soll Patienten schützen

Laserlaboratorium Messsystem soll Patienten schützen

Vor der Verabreichung falscher Infusionen soll ein Messsystem Patienten auf Intensivstationen schützen. Für die Entwicklung eines entsprechenden Prototypen erhält eine Forschergruppe aus dem Laser-Laboratorium Göttingen (LLG) eine Million Euro vom Land. Eine Firmengründung ist geplant.

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Projektleiter Lars Gundrum (links) und Hardware-Entwickler Julian Born.

Quelle: Wenzel

Göttingen. „Bis zu fünf Prozent der Arzneimittel werden nach Schätzungen des Bundesverbands deutscher Krankenhausapotheker nicht entsprechend der ärztlichen Verordnung zubereitet oder verabreicht“, schildert Diplom-Ingenieur (FH) Lars Gundrum, das Problem. Er leitet das Projekt „Patientensicherheit 4.0“. Schlimme Folgen bis hin zum Tod könnten solche Fehler bei Schwerkranken haben, zitiert er Studien. Auf Intensivstationen sei das Risiko aufgrund der Vielzahl der dort verabreichten Medikamente und des Arbeitsdrucks besonders hoch.

„Unser System zur automatisierten Erkennung von Infusionen nutzt optische Verfahren“, sagt Gundrum. Es werde mit anderen Geräten und Informationssystemen des digitalen Krankenhauses vernetzt. Der Abgleich mit der ärztlichen Verschreibung erfolge elektronisch. Auch mögliche Unverträglichkeiten der verschiedenen Verschreibungen ließen sich überprüfen.

Photonik Inkubator

„Das Projekt Patientensicherheit 4.0 ist das fünfte Firmengründungsvorhaben des Photonik Inkubators, der seit 2014 aktiv ist“, berichtet Geschäftsführer, Dr. Jörg Fregien. Sein Zentrum, eine Tochter des Bonner Life-Science Inkubators, wolle Forschung und Entwicklung aus dem akademischen Bereich weiterführen. Die erste Ausgründung sei im November 2016 erfolgt. „In den 30 Jahren, in denen das Laser-Laboratorium Göttingen als Mittler zwischen Forschung und Wirtschaft agiert, flossen vielfältige wissenschaftliche Ergebnisse in die Industrie ein“, sagt Institutsdirektor Dr. Alexander Egner. Das LLG habe den Photonik Inkubator mitgegründet. Er nutze Räume im LLG- Technologiezentrum am Hans-Adolf-Krebs-Weg.

Zum Team, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wird, gehören neben Gundrum der Hardwareentwickler Julian Born und der Programmierer Zheng Wang. Gemeinsam haben sie bisher im Laser-Laboratorium zum optischen Nachweis von Medikationen geforscht. Die Gruppe setzt ihre wissenschaftlichen Ergebnisse in den kommenden 22 Monaten im Gründerzentrum Photonik Inkubator in ein marktreifes Produkt um. Als wissenschaftlicher Mentor steht ihnen Dr. Hainer Wackerbarth zur Seite, der die LLG-Abteilung Photonische Sensorik leitet. Unterstützung gewähren die Universitätsmedizin Göttingen und ein strategischer Industriepartner. Dr. Josef Staub, der Standortleiter des Photonik Inkubators, unterstützt die Gruppe bei der geplanten Firmengründung. Die kaufmännische Leitung übernimmt im Team Fabian Dach.

„Das Interesse der Krankenhäuser an unserem System ist groß“, betont Gundrum. Der Bundestag habe 2013 die Rechte von Patienten gestärkt. Das Parlament trage damit dem Wandel vom vertrauenden Kranken zum selbstbewussten Beitragszahler und kritischen Verbraucher Rechnung. Das Patientenrechtegesetz erleichtere Schadenersatzklagen. Andererseits gewähre es Krankenhäusern Vergütungszuschläge. Bedingung: Sie müssten sich an Fehlermeldesystemen beteiligten, die verschiedene Einrichtungen übergreifen würden.

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