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Genetische Ursachen seelischer Erkrankungen

Forschungsschwerpunkt „Psychiatrische Genetik“ Genetische Ursachen seelischer Erkrankungen

Sehr viele psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression sind genetisch beeinflusst. Deshalb ist auch die moderne Psychiatrie auf klinisch-genetische Forschung angewiesen. Die Universitätsmedizin Göttingen will mit dem neuen Forschungsschwerpunkt „Psychiatrische Genetik“ neue Wege für eine individuelle Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen schaffen.

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Nicht nur die Lebensumstände: Erkrankungen wie Depression haben auch genetische Ursachen.

Quelle: dpa

Die Leitung des Forschungsschwerpunktes an der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie hat im Juli 2010 der Mediziner und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Prof. Thomas G. Schulze übernommen.

„Psychiatrisch-genetische Forschung ist kein Neuland. Aber was bisher fehlt, ist die Orientierung an klinisch-relevanten Fragestellungen“, sagt Schulze. „Bisher hat sich die Forschung vor allem auf Diagnosegruppen konzentriert, also darauf, ob zum Beispiel jemand eine Schizophrenie oder bipolare Störung hat. Für den Patienten, seine Angehörigen und den Arzt ist aber die Frage, wie jemand auf eine Therapie anspricht oder wie sich die Symptomatik über die Zeit ändert von viel größerer praktischer Relevanz als die Einordnung in eine Diagnosegruppe. Daher wollen wir die Behandlung von Patienten mit einer schizophrenen und bipolaren Erkrankung über einen längeren Zeitraum untersuchen.“

Die Forscher interessieren sich dabei besonders für mögliche genetische und neurobiologische Determinanten des Verlaufs. Die Erkenntnisse der Forschung sollen klären, warum es unter den bisherigen Behandlungsstrategien zu Rückfällen kommt und warum einzelne Patienten auf bestimmte Behandlungsverfahren nicht ansprechen.

Diese Fragen möchte Mediziner Schulze mit Partnern in der Region untersuchen. Ein „Psychose Zentrum Niedersachsen“ ist im Aufbau. Hierbei soll intensiv mit den psychiatrischen Lehrkrankenhäusern der Universitätsmedizin Göttingen in Niedersachsen, Nordhessen und Bremen zusammengearbeitet werden, um große Patientenkohorten für diese Forschung zu erreichen.

Die gewonnenen Biomaterialen, zum Beispiel DNS oder Proteine, sollen in einer modernen Biobank so aufbewahrt werden, dass sie der Wissenschaft für die Bearbeitung möglichst vieler Fragestellungen auch noch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zur Verfügung stehen.

Zur Person
Thomas G. Schulze, Leiter des neuen Forschungsschwerpunkts „Psychiatrische Genetik“ an der Universitätsmedizin Göttingen, beschäftigt sich seit 1997 wissenschaftlich mit psychiatrisch-genetischen Fragestellungen. Das Hauptaugenmerk seiner Forschung richtet sich auf die genetischen und umweltbedingten Ursachen von psychischen Erkrankungen wie der bipolaren (manisch-depressiven) Er-krankung, der Schizophrenie oder der Depression.
In seinen bisherigen Positionen in Deutschland, unter anderem am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, hat der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie maßgeblich an der Etablierung großer Kollektive von Patienten und Kontrollpersonen mitgewirkt. Er ist Mitglied im Nationalen Genomforschungsnetzes des Bundesforschungsministeriums sowie in nationalen und internationalen Fachverbänden. Schulze wurde in seinem Fachgebiet mehrfach ausgezeichnet.

jes/umg

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