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Gensings Recherchen: "Rechte Hetze im Netz"

AStA-Veranstaltung Gensings Recherchen: "Rechte Hetze im Netz"

Journalist Patrick Gensing setzt sich mit Rechtsradikalen im Netz – auf Plattformen wie Facebook – auseinander. Dort sei die Radikalisierung vieler Nutzer genau dokumentiert, so Gensing. In seinem Vortrag in der Universität Göttingen sprach er zum Thema „Rechte Hetze im Netz“.

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Das Buchcover.

Quelle: r

Göttingen. Der Berliner Experte für Rechtsextremismus hat gerade sein gleichnamiges E-Book veröffentlicht. Im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) las er auf Einladung des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) daraus vor. In Facebook-Gruppen wie „Das völkische Auge“ und „Alternative für Deutschland (AfD)“ sei Lust auf Gewalt alltäglich, so Gensing. Existierende Einträge wie die von Ronny H. – mit Waffenbildern und Aufrufen zum Handeln – dürfen nicht unterschätzt werden. „Ronny H. ist der Prototyp des Rechtsradikalen im 21. Jahrhundert“, sagt Gensing – und eins von vielen Beispielen für Radikalisierung im Netz.

„Einfach und emotional“, das seien die besten Voraussetzungen dafür, dass ein Thema in sozialen Medien gut laufe. „Das entspricht dem Konzept von Populisten, die auf einfache Antworten und Emotionen setzen, vor allem auf Angst“, sagt Gensing.

Populisten seien für die mediale Aufbereitung von Politik attraktiver als Politiker, die abwägen und sachliche Diskussionen suchen. Sie seien die perfekte Schlagzeilenmaschine. „Warum sitzen AfD-Politiker wie Petry oder Gauland Woche für Woche in Talkshows?“, kommt die Frage aus dem Publikum. Sie seien überpräsentiert, weil sie sich gut für Formate wie „Hart oder fair“ eignen, nennt Gensing ein Beispiel, da stehe schon der Titel für einen Wettkampf, nicht für eine Diskussion. „Die AfD ist bei Facebook die stärkste Partei“, erzählt Gensing. Den Erfolg der Partei sieht er in deren antipolitischer Ausrichtung.

Wie man solchen Menschen im persönlichen Umfeld begegnen solle, kommt die Frage aus dem Publikum. „Durch Fakten kann man sie nicht erreichen“, sagt Gensing. Nachfragen könne helfen – zum Beispiel „Wie soll das funktionieren?“.

Student Korbinian Holder fragt: „Was heute auf Facebook steht, war früher unsagbar. Jetzt gewöhnt man sich daran. Soll man auf jeden Kommentar antworten?“. Das sei unmöglich, es einfach stehen zu lassen auch. Für dieses zentrale Problem hat Gensing keine Lösung. „Der Blogger Sascha Lobo hat dazu aufgerufen, die sozialen Netzwerke zurückzuerobern“, sagt er, daran glaube er nicht. Genau das sei die unterschätzte Gefahr – dass solche Kommentare „normal“ werden.

Von Hannah Scheiwe

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