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Gestaltung von Kampagnen für Organspende

Ohne den erhobenen Zeigefinger Gestaltung von Kampagnen für Organspende

Bildgeprägte Kampagnen begleiten auch moralisch-ethisch vielfältig diskutierte Fragen wie die der Sterbehilfe und der Organspende. Botschaften und Hintergründe beleuchtete am Mittwoch Gerhard Schweppenhäuser, Würzburg, in seinem Vortrag „Feldzüge für Leben und Tod. Moral- und designphilosophische Überlegungen“.

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Motiv mit dem Schauspieler Klaus J. Behrendt für eine Organspende-Kampagne.

Quelle: BMG

Göttingen. „Es gibt gute Gründe für die Organspende zu werben“, so Schweppenhäuser. 2013 gingen in Bayern etwa die Spenden um 50 Prozent zurück. Infokampagnen schienen also notwendig. Anders als Werber wollten Kommunikationsdesigner bei solchen Kampagen nicht Gefühle oder Haltungen verändern, nicht instrumentalisieren. Ihr Ziel sei Selbstbestimmung, die freie Entscheidung. Schweppendörfer findet diese Unterscheidung problematisch. Hier die Guten, da die Schlechten, so einfach sei das nicht. Da gebe es natürlich Grenzverläufe und alle bedienten sich des gleichen ­Instrumentariums, erklärte Schweppenhäuser bei seinem Vortrag im Institut für Geschichte und Ethik der Medizin. 

Der Professor für Design, Kommunikations- und Medientheorie in Würzburg, hat Philosphie studiert und forscht intensiv im Bereich der Bild- und Kulturtheorie. Bei seiner Analyse werden zunächst die einzelnen Teile der Bilder beschrieben, dann ihre Konnotationen untersucht – grob gesagt, das was mitschwingt, was wir mitdenken.

Beispielhaft führte er unter anderem die Kampagne  des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2013 an. Hier stand die freie Entscheidung im Mittelpunkt, der „Logos-Appell“, so Schweppenhäuser. Emitionalität, den „Pathos Appell“, brachten die Prominenten: Klaus Behrendt, Markus Lanz, Katie Wilhelm und andere halten den Ausweis in der Hand. Ein bisschen Ironie im Text führe zu einer „Entdramatisierung“. Kein Druck, kein erhobener Zeigefinger, ausgewogen würde er diese Kampagne nennen, so Schweppenhäuser. Sie vermittelt zwar, wer nicht mitmacht, stellt sich ins Abseits. Aber das sei seine Sache.

Sind bildgeprägte Kampagnen angemessen für ethische Fragen? Eigentlich nein. „Ambivalenz ist schwer bildlich darzustellen“, sagt Schweppenhäuser. Auftraggeber und Produzenten müssten reflektiert damit umgehen. Er wolle Kommunikationsdesignern deswegen philosophische Ansätze  näher bringen. Bildgebrauch habe Konsequenzen. Viele seien sich darüber gar nicht im Klaren.

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