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Göttingen: Fachunterricht für Schüler mit wenig Deutschkenntnissen

Schätzen – ein Wort mit Tücke Göttingen: Fachunterricht für Schüler mit wenig Deutschkenntnissen

Lehramtsstudierende der Universität Göttingen haben am Freitag im Felix-Klein-Gymnasium eine besondere Unterrichtseinheit angeboten. Nicht das Thema „Umfang von Kreisen“ war die Besonderheit, sondern die verschiedenen Muttersprachen der Schüler.

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Sprachlernklasse im Felix-Klein-Gymnasium: Unterricht von den Studentinnen Maren-Joy Piper (links) und Verena Spratte.

Quelle: Pförtner

Göttingen. In der Sprachlernklasse erproben Studierende der „Zusatzqualifikation Interkulturalität und Mehrsprachigkeit / Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ (Zimd) Unterrichtsverfahren und Materialien für Schüler.

Manche kommen schon ganz gut damit klar, sich auf deutsch zu verständigen. Aber einige der vier Jungen und fünf Mädchen im Alter von elf bis 14 Jahren, die an diesem Vormittag in der Klasse sind, haben sehr wenige Deutschkenntnisse oder trauen sich nicht, deutsch zu sprechen. In diesem Unterricht stellen alle fest, dass die Bildungssprache noch mehr Tücken als die Alltagssprache hat. Das gilt ebenso für die Lehrenden.

Die Studentinnen Maren-Joy Piper und Verena Spratte haben die Unterrichtseinheit vorbereitet. „Immer wieder fragten wir uns, ob ein für uns selbstverständlicher Begriff für die Schüler verständlich ist“, erklärt Piper. Schätzen ist so ein Wort: den Umfang oder das Gewicht schätzen oder jemanden als guten Lehrer schätzen. In der Mathematik bedeutet schätzen,  Maße nach Augenmaß bestimmen, ohne sie exakt berechnet zu haben.

Lehramtsstudierende der Universität Göttingen haben am Freitag im Felix-Klein-Gymnasium eine besondere Unterrichtseinheit angeboten. © Pförtner

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Die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften (Mint) sind im Fokus der Sprachenbildung im zweiten Zimd-Ausbildungsmodul. Spratte und Piper studieren Mathematik auf Lehramt. Sie haben in diesem Semester praktische Erfahrung gesammelt, um bildungssprachliche Kompetenzen im Fachunterricht weiterzugeben.

Die Verzahnung von Sprache und Fach hat Andrea Bogner als Forscherin im Blick. Die Professorin in der Abteilung Interkulturelle Germanistik hat festgestellt, dass der Unterricht mit Schülern, denen die Unterrichtssprache nicht geläufig ist, fachlich einen Einstieg auf anderen Ebenen erfordert als es die Lehrpläne vorsehen. Dazu komme der oftmals unbekannte Umgang mit der deutschen Lernkultur. Hier zeigten die FKG-Lehrer, so Bogner, sehr viel Flexibilität und Bereitschaft, diese Anforderungen zu erfüllen.

Als internationale Schule hat das FKG, das neben dem Abitur den Abschluss International Baccalaureate (IB) anbietet, ständig eine Sprachlernklasse für Schüler ohne oder mit wenig Deutschkenntnissen aller Jahrgänge. Als das Zimd-Programm 2014 an neun Hochschulen in Niedersachsen als Verbundprojekt startete, war die FKG-Teilnahme keine Frage: Zimd-Studenten absolvieren ihre Praxiseinheiten in der Sprachlernklasse. 

„Davon profitieren wir ganz stark, weil wir Input von den Studierenden erhalten“, so Neumann. Ihre Kollegin im Fach Mathematik, Dr. Petra Clausen, betont die Notwendigkeit, in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sprachsensibel zu unterrichten. Oftmals muss auch das Lehrmaterial individuell zusammengestellt werden, weil das eine Mathebuch  nicht reicht.

Studentin Piper ist sich mit Lehrerin Neumann sicher, dass immer mehr Lehrkräfte die Zusatzqualifikation benötigen werden, um in Klassen heterogene Lerngruppen zu unterrichten. Ausbau und Ausbildung von Sprachförderkompetenzen seien wichtig, um die höhere Schulbildung und qualifizierte Ausbildung der Schüler voranzubringen. Am FKG, so Neumann, „ist der Lernerfolg deutlich erkennbar“. 

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