Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
„Unzählige Mails, zahllose Anrufe“

Schwierige Wohnungssuche für Studierende „Unzählige Mails, zahllose Anrufe“

So schlimm wie in München oder Frankfurt ist es nicht, doch auch in Göttingen müssen Studierende lange nach Wohnraum suchen. 2000 Menschen warten derzeit auf einen Platz in einem Wohnheim des Studentenwerks. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für ein WG-Zimmer liegt bei 9 Euro.

Voriger Artikel
Von der Handschrift zum Touch Screen
Nächster Artikel
Einkaufs-App für die Seitenstraßen

Eines der Studentenwohnheime.

Quelle: CHH

Göttingen. Ich habe unzählige Mails geschrieben, zahllose Anrufe getätigt und 30 Besichtigungstermine absolviert“, erzählt Lukas Demske, der in Göttingen Mathematik und Chemie studiert. Zwei Monate lang habe er gesucht. „Ich hatte immer drei, vier Internetseiten mit Angeboten offen; wg-gesucht.de, studentenwg.de, wg-suche.de und immobilienscout24.de“, berichtet er. Alle halbe Stunde, während der Lernpausen, habe er nach aktuellen Angeboten geschaut, um sich möglichst als erster zu melden. „Jetzt habe ich ein WG-Zimmer in der Stadt gefunden“, meint er zufrieden.

„Die Wohnungssuche ist sehr schwer“, sagt Nikolai Logvin. Am Telefon heiße es oft, das inserierte Zimmer sei bereits vergeben. „Dabei wird es weiterhin im Netz beworben“, wundert sich der Turkologie-Student, der aus Russland stammt. Weil er irgendwo schlafen müsse, habe er drei Nächte für jeweils 20 Euro in einem Vier-Bett-Zimmer in einem Hostel übernachtet. Weitere drei Nächte sei er für jeweils 30 Euro in einem Vier-Bett-Zimmer in der Jugendherberge untergekommen. Nun wolle er seine Suche von Wolfsburg aus fortsetzen, wo Verwandte von ihm leben. Der nächste Besichtigungstermin sei in Northeim. Von dort aus lasse sich Göttingen mit dem Zug bequem erreichen, sagt er.

„Wir haben gerade für unsere Fünfer-WG zwei Wochen lang neue Mitbewohner gecastet“, erzählt Jura-Student Anton Ruck. Einige Suchende seien „aufdringlich“ gewesen, klagt er. Andere hätten lange Bewerbungsschreiben abgegeben, in denen „selbst das Lieblingsspielzeug aus dem Kindergarten“ aufgeführt worden sei. „Authentisch bleiben“, lautet sein Tipp für Wohnungssuchende. Ob jemand genommen werde, hänge vom Zufall ab. Jede WG-Gemeinschaft habe ihre eigenen Vorlieben. Wer am Ball bleibe, finde am Ende ein Zimmer, ist er sich sicher.

„Ich musste mir zum Glück keine Wohnung suchen“, erklärt Leonardo Salais. Der Student der Betriebswirtschaftslehre ist vor zwei Monaten mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst für ein Jahr nach Göttingen gekommen. Er bekam ein Zimmer in einem Studentenwohnheim.

Angesichts der angespannten Lage auf dem Markt fordert die studentische Wohnrauminitiative mehr sozialen Wohnungsbau, Förderung alternativer Formen des Wohnens sowie die „Bekämpfung von Immobilienspekulation“. Der Oberbürgermeister solle leer stehende Gebäude beschlagnahmen.

Anspannung auf dem Wohnungsmarkt

Bei einem Ranking, das die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt für Studierende erfasst, steht Göttingen unter den 91 Unistädten mit mehr als 5000 Studierenden auf Platz 48. Das hat eine Untersuchung ergeben, die das Moses Mendelssohn Institut mit dem Internetportal wg-gesucht.de durchführte. Wie an 52 anderen Hochschulstandorten habe sich die Situation in Göttingen im vergangenen Jahr verschlechtert. Besonders schlimm sei es in München und Frankfurt. Kassel stehe auf Platz 64.

Nach einer Erhebung der Immowelt AG kostet in Göttingen der Quadratmeter einer Singlewohnung monatlich 10,30 Euro, in einer WG 9 Euro (München: 19,70 Euro/15.80 Euro; Frankfurt 14,50 Euro/13,40). Ausgewertet hat Immowelt die Mietpreise von 58 200 Wohnungen, die zwischen März und August angeboten wurden. Kassel ist mit 8,80 Euro für den Quadratmeter einer Singlewohnung und 7,50 Euro in einer WG deutlich günstiger als Göttingen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Uni Göttingen begrüßt zum #unistartgoe Studienanfänger