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Göttingen: Thermal-Vakuum-Kammer simuliert die Luftleere des Alls

Weltraumhimmel am Boden Göttingen: Thermal-Vakuum-Kammer simuliert die Luftleere des Alls

Per Schwertransport hat ein wissenschaftliches Großinstrument am Freitag die Baustelle für das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erreicht. Die letzten Meter bis zum endgültigen Standort gleitete die neue Thermal-Vakuum-Kammer auf Luftkissen. So reichte die Schubkraft von vier Männern, um 10,8 Tonnen leicht zu bewegen.

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Koloss für die Forschung: Die Vakuum-Kammer gleitet auf Luftkissen zum Standort. Thomas Preuß (rechts) präpariert eine Schiene.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Bis November setzen Mitarbeiter der Herstellerfirma Just-Vacuum aus Landstuhl die Einrichtung der Kammer fort. Ab Januar, wenn der Neubau auf dem Nordcampus am Justus-von-Liebig-Weg bezugsfertig ist, sollen die ersten Tests erfolgen. In der nach MPS-Angaben weltweit einzigartigen Kammer können die eisigen Temperaturen und die Luftleere des Weltraums simuliert werden. 15 Kubikmeter Weltraum stehen den Wissenschaftlern zur Verfügung, um künftig Instrumente, die für Weltraummissionen entwickelt werden, vor ihrem Einsatz zu testen.

Gerhard Just kennt sich aus mit Vakuum-Kammern und -Pumpen, die seine Firma baut. Der Auftrag „in dieser Größenordnung war auch für uns etwas Besonderes“. Die Spezifikation für Temperaturen von bis minus 175 Grad Celsius und plus 120 Grad sei außergewöhnlich. Ein Jahr habe sein Team für Planung und Ausführung Zeit. Im November soll die Kammer im Wert von 1,4 Millionen Euro eingerichtet sein. Das Mobilar steht noch in Holzkisten verpackt in der MPS-Halle. Darunter ein fünf Meter langer Labortisch, der außerhalb der Kammer bestückt werden kann. Ausgekleidet wird die Kammer mit Kupfershroud. Wenn der Weltraumhimmel am Boden die Arbeit aufnimmt, sind „so wenig Atome und Moleküle drin, dass man sie zählen kann“, sagt Just.

Das vierköpfige Team kommt ins Schwitzen

Aber erstmal hat Thomas Preuß von DB-Schenker-Logistik ein anderes Problem. Eine Schiene im Boden sorgt dafür, dass der Koloss nicht gleitet. Das vierköpfige Team kommt ins Schwitzen und bringt das Frachtgut mit ein paar Handgriffen mehr über die kleine Hürde. Nach zweieinhalb Stunden seit dem Abladen ist das Ziel im Reinstraum erreicht.

Für die Transporteure ist das Forschungsgerät „nur eine Vakuum-Kammer, die zwölf Tonnen hat und sicher transportiert werden muss“, sagt Preuß. Per Kran wurde sie auf- und abgeladen vom Transporter, nun treibt ein Kompressor mit zwölf Bar  Leistung die vier flachen Luftkissen und damit die Kammer an. Bis zu drei Bar Luftdruck gehen auf jedes Kissen.

Per Schwertransport hat ein wissenschaftliches Großinstrument am Freitag die Baustelle für das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erreicht. Die letzten Meter bis zum endgültigen Standort gleitete die neue Thermal-Vakuum-Kammer auf Luftkissen. So reichte die Schubkraft von vier Männern, um 10,8 Tonnen leicht zu bewegen.

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1,4 Millionen Euro Kosten

Mittags ist das Ziel erreicht. Diplom-Ingenieur Werner Deutsch vom MPS-Team ist erleichtert. „Erst seit einem Jahr ist sicher, dass wir die Kammer erhalten“, erklärt er. Die Kostenübernahme durch die Max-Planck-Gesellschaft und das Land Niedersachsen für die 1,4 Millionen Euro ist seitdem besiegelt. „Und in dieser kurzen Zeit ist alles realisiert worden“, stellt Deutsch fest. Deshalb musste das Gerät auch so gebaut werden, dass es ins fertige Gebäude passt: Drei Meter Breite oder Höhe seien das Maß gewesen für den Transport der Konstruktion in den Hallen, erzählt Laborleiter Deutsch.

Ab Januar sollen Tests in der Thermal-Vakuum-Kammer beginnen. Die wird mit einem Coelostat verbunden. Dieser Lichtfänger leitet Sonnenlicht vom Dach des Gebäudes in die Kammer. „So wird es möglich, optische Instrumente für den Einsatz im Weltraum mit echtem Sonnenlicht zu kalibrieren“, erkärt Deutsch. Und wenn es sein muss, kann auch Sternenlicht eingefangen werden für den Weltraumhimmel auf dem Nordcampus.

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