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Neue Prüfung von alter Habilitation

Medizinische Fakultät der Uni Göttingen Neue Prüfung von alter Habilitation

Gegen die Göttinger Habilitationsschrift  von Jörg Rüdiger Siewert, heute  Leitender Direktor der Uniklinik Freiburg,  und eine von ihm gleichzeitig, vor rund 40 Jahren,  betreute Doktorarbeit werden Plagiatsvorwürfe erhoben. Jetzt haben „der Dekan und das Ombudsgremium der Medizinischen Fakultät  noch einmal die Zuständigkeiten  geprüft und sich dabei juristisch beraten lassen“, wie der Pressesprecher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Stefan Weller, mitteilt.

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Jörg Rüdiger Siewert (rechts) während einer Pressekonferenz.

Quelle: dpa

Göttingen. Demnach werden die Beauftragten für gute wissenschaftliche Praxis „klären, ob genügend Anhaltspunkte für eine förmliche Untersuchung der erhobenen Vorwürfe vorliegen.“ Dafür wäre eine fünfköpfige Kommission zuständig, der mindestens ein Jurist angehören muss.  

Die fraglichen Vorwürfe stützen sich auf anonyme Informanten aus  der Göttinger Fakultät und öffentliche Hinweise des Freiburger Medizin-Publizisten Hermann Scharnagl. Dieser hat Siewert ins Fadenkreuz genommen, nachdem der sich für die Rücknahme der plagiatverdächtigen Habilitation  des Freiburger Sportmediziners Hans-Hermann Dickhuth stark gemacht hat.  Umgekehrt behaupten jetzt Siewerts Kritiker  auffällige Überschneidungen seiner  Habilitationsschrift und einer Dissertation, die aber nicht durch Zitate kenntlich gemacht worden seien.

Das Ombudsgremium der Göttinger Medizinprofessoren hatte sich vor zwei Wochen noch für unzuständig erklärt, weil Siewert nicht mehr zur hiesigen Georg-August-Universität gehört. Dabei wurde übersehen, dass es in der „Ordnung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ heißt: „Die Universität wird jedem konkreten Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten ihrer jetzigen oder ehemaligen Mitglieder und Angehörigen  nachgehen, soweit die betreffenden Arbeiten und Leistungen an der Universität Göttingen erbracht wurden.“ Bei „Prüfungsleistungen“  wie einer  Habilitationsschrift oder  Doktorarbeit „kann das Ombudsgremium die Sache an die zuständige Fakultät verweisen.“ Davon abgesehen, könnte auch der Dekan den Fachbereichsrat  von sich aus damit befassen oder ein Fakultätsmitglied einen entsprechenden Antrag einbringen. Das stellt etwa der frühere Sprecher des bundesweiten Ombudsgremiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Hamburger Rechtsprofessor Hans-Heinrich Trute auf Nachfrage klar. Der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen und UMG-Vorstandsvorsitzende, Prof. Heyo Kroemer, verspricht, in der Sache „sorgfältig und transparent vorzugehen“, – um  so jeden Anschein einer Voreingenommenheit zugunsten von Siewert zu vermeiden.

Von Hermann Horstkotte

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