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Göttingens kleine Zuckerrübenfabrik

„Campus-Ansichten“: Rübenwäsche Göttingens kleine Zuckerrübenfabrik

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Rübenwäsche dreht sich Folge 18.

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Quelle: Rumpenhorst/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Die Zuckerrübe steht unter Druck. Von 2017 an müssen europäische Landwirte ohne staatliche Hilfen zu Weltmarktpreisen produzieren. Wege zur Ertragssteigerung erkundet das Institut für Zuckerrübenforschung. 6000 Säcke mit Versuchsrüben werden derzeit in der Holtenser Landstraße 77 aufbereitet.

„Von Mitte September bis Mitte November läuft die Rübenernte“, berichtet Nicol Stockfisch, die im Institut unter anderem für Organisation und Systemanalyse zuständig ist. Auch Versuchsfelder werden derzeit gerodet. Auf einer Forschungsparzelle wachsen jeweils 100 Rüben. Verpackt in einem großen Sack werden sie ins Institut geliefert, das seit 1947 in Göttingen ansässig ist. In einem ersten Schritt nehmen die Mitarbeiter die Feldfrüchte in Augenschein. Gerade verrichten die Master-Studierenden Gerald Burgdorf und Silvia Gögl diese Arbeit.

Ein Förderband transportiert die Rüben einer Parzelle dann laut rumpelnd wie in einer Zuckerrübenfabrik zur großen Waschtrommel. Wegen des Lärms tragen die in diesem Bereich tätigen Institutsmitarbeiter alle Ohrstöpsel. Wasser spült anhaftendes Erdreich fort. Nach einer Minute fallen die nun schön weißen Rüben auf die Waage. Zwischen 100 und 150 Kilogramm wiegen die 100 Stück. Eine Sechsblattsäge schneidet dann Proben heraus. Der Brei tropft unten aus der Maschine heraus.

Mitarbeiter Markus Burchardt rührt kräftig um. 80 Gramm des weißen Breis, der markant riecht und sich an der Luft schnell rosa und dann schwarz verfärbt, wird auf vier Probenfelder verteilt. „Die Proben werden bei -50 Grad Celsius schockgefrostet und anschließend bei -20 Grad gelagert“, erläutert Stockfisch. Der Grund: Mikororganismen bauen anderenfalls den Zucker ab, was die Messergebnisse verfälschen würde.

Von den jeweils vier Proben pro Versuch untersucht die Biologisch-Technische Assistentin Tatjana Wiedenmann immer nur zwei. Nur wenn die Werte voneinander abweichen, analysiert sie auch die beiden anderen Proben. Aus allen vier Ergebnissen bildet sie in diesem Fall den Mittelwert. So kommt das Institut bei 15000 Proben im Jahr zu 35000 Analysen.

Die Göttinger testen unter anderem auch neue Züchtungen von Firmen wie der KWS Saat aus Einbeck oder Strube aus dem Raum Helmstedt. Bei den Versuchen geht es unter anderem um den Einfluss der Lagerung auf den Zuckergehalt. „Wir publizieren die Ergebnisse, geben sie bei Tagungen und Arbeitskreissitzungen an landwirtschaftliche Berater weiter“, führt Institutsleiter, Prof. Bernward Märländer, aus.

Die Zuckerrübenbauern zwischen der französischen Atlantikküste und Südrussland müssen sich gegenüber brasilianischen Plantagenbetreibern behaupten, die drei Viertel des weltweit gehandelten Zuckers produzieren. „In Brasilien liegen die Löhne deulich niedriger, die Umweltauflagen sind nicht so streng“, sagt Märländer. In Europa sei es gelungen, den Hektarertrag von sechs Tonnen Zucker im Jahr 1980 auf heute zwölf Tonnen zu steigern. Mit Zuckerrohr ließen sich in Brasilien zehn Tonnen pro Hektar herstellen. „Die Szene ist optimistisch, dass sich auch in Zukunft in Europa mit Zuckerrüben Geld verdienen lässt“, betont der Institutsleiter.

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