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Göttinger Akademiewoche: Prof. Dietmar Brandes über das Grün in den Städten

Heimische Artenvielfalt bewahren Göttinger Akademiewoche: Prof. Dietmar Brandes über das Grün in den Städten

Dietmar Brandes, Professor für Botanik an der Technischen Universität Braunschweig, hat am dritten Tag der Göttinger Akademiewoche im alten Rathaus einen weiteren Blickwinkel auf die Zukunftsstädte unserer Welt geöffnet und die Natur in urbanen Gebieten in den Fokus genommen. „Wie grün darf die Zukunftsstadt sein?“, lautete der Titel des Vortrages.

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Prof. Dietmar Brandes  

Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Urbanisierung brachte im 19. Jahrhundert eine bis dato unbekannte Landflucht mit sich. 75 Prozent der deutschen Bevölkerung leben heutzutage in den Städten. Menschen finden dort kulturelle Vielfalt, gute Arbeitsmöglichkeiten und soziale Kontakte.

Bei allen Gesprächen über die Stadt als Lebensraum der Gesellschaft werde oft vergessen, so Brandes, dass die neolithische Revolution, sprich die Entstehung von sesshaften Gemeinschaften, Ackerbau, Viehzucht, Vorratshaltung und Landwirtschaft  die Entwicklung von Städten überhaupt erst ermöglichte. Stadt und Land ergänzten sich also gegenseitig und hingen untrennbar zusammen.

Dass Grün in Form von Pflanzen im Sichtfeld von Arbeitnehmern ihre Zufriedenheit verbessert, beweisen psychologische Studien. Aber auch wegen des Stadtbildes, des Klimas und des Artenschutzes ergebe es auch aus stadtplanerischer Sicht Sinn, die Städte zu bepflanzen.

Dabei werden offizielle Institutionen wie auch Bewohner durchaus kreativ, wie Brandes anhand von teils spektakulären Gartenbau-Projekten verdeutlichte. Da werden in Paris und New York alte Straßenbahntrassen zu parkähnlichen Korridoren, in Hongkong wächst ein vertikaler Wald ein Hochhaus hinauf und mit „Samenbomben“ versuchen sogenannte Guerilla-Gärtner, Wildblumen an öffentlichen Plätzen sprießen zu lassen.

Doch die Rechnung „je mehr Grün, desto besser“ gehe schlichtweg nicht auf. 438 000 Straßenbäume in Berlin spendeten zwar Schatten, kühlten und filterten Schadstoffe, beförderten aber auch täglich etwa 2500 Tonnen Hundekot. Blumenwiesen als neues Phänomen in Städten erfreuten zwar das Auge, verdrängten aber heimische Arten.

Ziel der Begrünung von Städten sollte es Brandes zufolge sein, die heimische Artenvielfalt zu bewahren. Hier könnte die Stadt für das Land  mit seinen agrarisch genutzten Flächen, die ursprünglichen Bewuchs verdrängt hätten, in die Bresche springen.

Brandes zieht angesichts der vielfältigen grünen Trends in Großstädten ein optimistisches Fazit, appelliert aber auch an Stadtplaner: „Es ist noch viel zu tun. Strategien müssen genau überlegt werden, um die Umwelt zu schützen und nicht zu belasten“.

Von Katharina Kilburger

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