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Göttingen Über soziales Engagement und Kulturwandel
Campus Göttingen Über soziales Engagement und Kulturwandel
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00:19 30.10.2018
Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel empfängt die Alumni am Sonnabendabend in der Aula am Wilhelmsplatz. Quelle: Mischke
Göttingen

Sie sind Unternehmer, Professoren, Ärzte oder Richter. Sie kommen aus Hamburg, Prag oder Seoul. Und sie sind ehemalige Studenten der Georg-August-Universität. Zum Alumni-Tag sind am Wochenende einige von ihnen nach Göttingen zurück.

Der Alumni-Verein hat sich das Leitbild der Universität zu eigen gemacht. „In Publica Commoda“ –zum Wohle aller. Mit mehr als 5000 Mitgliedern und einem Netzwerk, das weit mehr Menschen vereint, hat es sich die Organisation zur Aufgabe gemacht, das akademische Leben in Göttingen und dadurch auch die Welt ein klein wenig besser zu machen.

70 Stipendien finanziert

In diesem Jahr ermöglichen die Mitglieder durch ihre Spenden beispielsweise 70 Stipendiaten ein Studium in Göttingen. „Ein Spitzenwert in Deutschland“, erklärte der scheidende Geschäftsführer des Vereins Bernd Hackstette während des Empfangs in der Aula der Universität am Sonnabendabend. Er ist selbst Alumnus und 1991 als Student der Sozialwissenschaften nach Göttingen gekommen.

14 Jahre lang leitete er das Göttinger Alumnibüro und wechselte jüngst nach Karlsruhe. Über seine Arbeit in Göttingen sagte er am Sonnabend viel Positives. Er dankte den Ehemaligen für die gute langjährige Zusammenarbeit und den internationalen Partnern für ihre Gastfreundschaft. Sein größter Dank aber galt der Präsidentin der Universität Ulrike Beisiegel, die ihn die Hälfte seiner Amtszeit begleitet hat. Vielerorts sei er darum beneidet worden, eine Universitätsleitung an der Seite zu haben, die sich derart engagiert für die Alumni-Arbeit eingesetzt habe.

Über das Scheitern der Exzellenz-Strategie

Die Gelobte selbst nutzte den Abend, um die anwesenden Alumni über das Scheitern der Exzellenz-Strategie und ihren persönlichen Entschluss, 2020 das Amt räumen zu wollen, zu informieren. Die Universität befinde sich in einer schwierigen Situation, aber sie sei nach der Negativentscheidung über die Exzellenz-Cluster natürlich nicht schlechter als zuvor, betonte Beisiegel. Noch immer werde die Georg-August-Universität in nationalen wie internationalen Rankings in den deutschen Top-Ten geführt. Von den Forschungsschwerpunkten der abgelehnten Projekte ist die Präsidentin noch immer überzeugt und sagte in Richtung der Ehemaligen: „Hoffentlich machen die Kollegen weiter und finden andere Möglichkeiten der Förderung.“

Impressionen vom Alumnitag 2018

Die nächste ehemalige Göttinger Studentin, die am Sonnabendabend die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich lenkte, war Maja Diesinger. Die gebürtige Hamburgerin stellte ein Projekt vor, das sie mit Gleichgesinnten in ihrer Geburtsstadt auf die Beine stellte. Unterstützt vom Göttinger Alumni-Verein entstand ein „Why Not“-Café, eine Begegnungsstätte für Einheimische und Zugezogene. „Auch so etwas kann sich aus der Alumni-Arbeit entwickeln“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin, die zum Abschluss ihres Masterstudiums wieder nach Göttingen zurückkehren wird.

Langjährige Verbindung zu Korea

Die wohl weiteste Anreise hatten der Präsident des koreanischen Alumni-Vereins Mu Sup Beon und seine Begleiter. In den 80er Jahren stellten seine Landsleute die größte internationale Studentengruppe in Göttingen. Die Tatsache, dass in seiner Heimat lange Zeit Deutsch als Fremdsprache in den Schulen unterrichtet wurde, hatte das Interesse an einem Studium in Deutschland steigen lassen. Durch das Engagement der Dozentin Kim Chungk-Oh intensivierte sich über die Jahre der Kontakt nach Deutschland und gezielt nach Göttingen. Shin In-Ah, die bei dem Sozialwissenschaftler und späteren Uni-Präsidenten Horst Kern promovierte, erzählte den Anwesenden, dass der koreanische Alumni-Verein im Jahr 2000 gegründet wurde – noch vor dem Göttinger. „Wir waren zu früh.“

Ebenfalls scheinbar aus einer anderen Welt erzählte anschließend Petra Scharner-Wolff. Ihr Vortrag über die Entwicklung des Hamburger Versandhauses Otto, die Digitalisierung im Allgemeinen und die Vision einer Kulturrevolution erntete lang anhaltenden Applaus. Der gebürtigen Göttingerin und erfolgreichen Managerin gelang es, einen Bogen zu spannen, von den Veränderung der Versandhandelsbranche in den vergangenen 20 Jahren hin zu einem Kulturwandel, der weite Teile unserer Gesellschaft erfassen werde, so ihre glaubhafte Vorhersage.

Zukunftsvisionen aus dem Katalog

Die Veränderungsprozesse hätten sich derart beschleunigt, dass es ein grundsätzliches Umdenken für Unternehmen überlebenswichtig sei. Ihre Aussage untermauerte Scharner-Wolff mit Schlaglichtern aus der Geschichte des Familienunternehmens, für das sie seit über 20 Jahren tätig ist. So wird beispielsweise der Katalog, der wohl bei nahezu allen deutschen Haushalten in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Wohnzimmertisch lag und über Jahrzehnte bis zu 75 Prozent des Umsatzes generierte, in diesem Jahr zum letzten Mal gedruckt. Seine Rolle haben Online-Portale übernommen. Scharner-Wolff: „Wir hatten etwa 20 Jahre, uns auf das neue Medium Internet einzustellen. Für die Umstellung auf die mobile Nutzung blieben uns gerade noch drei Jahre.“ Die nächsten Trends würden nicht so lange auf sich warten lassen.

Für das Unternehmen eine Kehrtwende, für die Mitarbeiter eine permanente Herausforderung, für die Gesellschaft ihrer Meinung nach ein Kulturwandel, so die Alumna. „Die Umbrüche werden quer durch die Gesellschaft gehen.“ Ihr Publikum verabschiedete Scharner-Wolff an diesem Abend mit dem Steve-Jobs-Zitat „Stay hungry, stay foolish“. Uni-Präsidentin Beisiegel nahm den Faden auf und lenkte gleichzeitig den Blick abschließend zurück auf die Göttinger Universität: „Ich hoffe, dass der Kulturwandel, den ich hier versucht habe einzuleiten, weitergeführt wird.“

Von Markus Scharf

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