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Göttinger Basketball: Vielmaschiges Förderungs-Netzwerk

Nachwuchs-Teams der BBT Göttinger Basketball: Vielmaschiges Förderungs-Netzwerk

Angesichts der Tabellenplätze der Jungenmannschaften des BBT Göttingen in der Nachwuchs- (NBBL) und Jugendbasketball-Bundesliga (JBBL) überrascht das positive Fazit der verantwortlichen Trainer. Anders als in den Vorjahren hat keines der beiden Teams den Sprung in die nächste Runde geschafft.

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Hoch talentiert: Der 15-jährige Philipp Hadenfeldt trainiert regelmäßig mit dem Bundesligateam der BG Göttingen.

Quelle: Vetter

Göttingen. Die von Sebastian Förster gecoachte U 19 liegt in der NBBL-Division Nordost auf dem sechsten Platz und muss in den verbleibenden vier Partien versuchen, ihre Ausgangsposition für die Playdowns zu verbessern. Die von Dirk Altenbeck trainierte U 16 musste als Vierter der JBBL-Sechserstaffel wegen des schlechteren Direktvergleichs den punktgleichen Junior Löwen Braunschweig den Vortritt in die Hauptrunde lassen und sich nun in der Nichtabstiegsrunde des Vierten, Fünften und Sechsten der Gruppen Nordost und Nord behaupten.

Die Coaches sind mit den Leistungen ihrer neu zusammengestellten Mannschaften dennoch zufrieden, sehen sie und die Nachwuchsförderung in der Region auf einem guten Weg und die Saison 2014/15 in erster Linie als Aufbauphase. „Da nur Alexander Bruns und Luca Büürma geblieben sind, musste das NBBL-Team erst zusammenwachsen. Sonst hätten wir wahrscheinlich eine bessere Hinrunde gespielt und die reelle Chance gehabt, die Playoffs zu erreichen. Die Ergebnisse der letzten Spiele zeigen, dass sich das intensive Training ausgezahlt hat“, unterstreicht Förster. Altenbeck hatte quasi bei null angefangen und 15 Spieler für den JBBL-Kader auf einem Sichtungsturnier im vergangenen Mai ausgewählt. „Dafür hat sich die Mannschaft gut geschlagen, zumal sie weitgehend aus Spielern jüngerer Jahrgänge besteht, Mein primäres Ziel ist allerdings nicht, Spiele zu gewinnen, sondern Spieler auszubilden und die Besten an das Bundesliga-Team der BG Göttingen heranzuführen“, erläutert der 51-Jährige.

Seit etlichen Monaten trainieren der 15-jährige Jugendnationalspieler Philipp Hadenfeldt, der für den U-19-Kader abgestellt ist und für den ASC 46 in der 1. Herren-Regionalliga spielt, und der gleichaltrige Anton Groger bei BG-Coach Johan Roijakkers mit. „Mit Hadenfeldt im JBBL-Team hätten wir die Playoffs locker geschafft“, ist Altenbeck überzeugt. Bei Förster ist die Gewichtung anders. „Mein Fokus liegt auf dem NBBL-Team, mit dem ich die Liga halten will. Die Entwicklung von Spielern für das BBL-Team kommt an zweiter Stelle“, sagt der 38 Jahre alte ASC-Abteilungsleiter.

Bei der Optimierung des vielmaschigen, vereins- und jahrgangsübergreifenden Förderungsnetzwerkes ziehen Förster, die hauptamtlichen BG-Jugendkoordinatoren Altenbeck und Zeljko Sustersic, der zusätzlich die ASC-Herren trainiert, und Roijakkers konsequent an einem Strang. Zielgruppe sind Talente aus der Region vom zwölften bis zum 19. Lebensjahr, mit denen die vier Coaches in unterschiedlichen Konstellationen trainieren. Weiterer Mosaikstein ist ein groß angelegtes Schulprojekt. In zwölf Sport-AG an Schulen in Göttingen, Bovenden und Hardegsen begeistert Altenbeck zurzeit, Kinder ab zehn Jahren erfolgreich für Basketball.

Finanziert werden die ehrgeizigen Projekte vom BG-Lizenzinhaber Pro Basketball Göttingen (PBG), der in dieser Saison 120   000 Euro in die Nachwuchsförderung steckt – mehr als die von der BBL geforderten zehn Prozent des Spieleretats. „2011 waren es lediglich 30   000 Euro“, verdeutlicht Altenbeck den rasante Aufwärtstrend. „Und wenn die BG in der 1. Bundesliga bleibt, muss sie ab der Saison 2015/16 drei Jugendkoordinatoren beschäftigen“, freut sich der 51-jährige über Zuwachs und eine noch intensivere Talentförderung.

„Zusammenarbeit wird immer intensiver“

Johan Roijakkers, Coach und Sportdirektor des Basketball-Erstligisten BG Göttingen, bezeichnet die Saison 2014/15 als „bestes Jahr der Nachwuchsförderung“ in Göttingen. „Für mich ist es nicht schlimm, dass NBBL- und JBBL-Team die Playoffs verpasst haben. Ich versuche, so viele Jugendspiele wie möglich zu sehen und freue mich natürlich über einen Sieg. Viel wichtiger aber ist, dass die Zusammenarbeit zwischen mir und den anderen Trainern und ihren Teams immer intensiver wird“, betont der Niederländer. Zum ersten Mal liege das Hauptaugenmerk darauf, Spieler auszubilden. „Davor hat jedes Team nur auf sich geschaut und gespielt, um zu gewinnen.“

Roijakkers beschränkt sich nicht nur darauf, talentierte Nachwuchsspieler beim Bundesligateam mittrainieren zu lassen, sondern geht auch selbst zu den Jugendlichen. So schult der Bundesliga-Coach alle zwei Wochen die jungen Akteure beim sogenannten Regio-Training. „Das macht richtig Spaß.“ Dass in dieser Saison kein U-19-Spieler mit den Erstliga-Profis trainiert, sieht der 33-Jährige nicht als Problem. „Ich gebe Talenten unabhängig von ihrem Alter eine Chance“, versichert Roijakkers. Das größte Potenzial sieht er aktuell bei den 15-jährigen Philipp Hadenfeldt  und Anton Groger sowie bei den 16 Jahre alten Anthony Okao und Lucas Heidelberg. mig

Kommentar: Vorbildliches Modell

Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass sich das neue Ausbildungsmodell der Göttinger Basketballer schon nach der ersten Saison in Top-Platzierungen der Jugendbundesliga-Teams niederschlägt. Auf längere Sicht hat das ambitionierte Nachwuchs-Projekt, das unter Beteiligung der Erstliga-Profis über Vereins- und Ortsgrenzen hinweg Kinder und Jugendliche von zehn bis 19 Jahre einbezieht und auch in den Schulen der Region nach Talenten sucht, jedenfalls gute Erfolgschancen. Haben sich erst Göttinger Mannschaften in der Spitze der deutschen Nachwuchsligen etabliert, wird es leichter fallen, die größten Talente von einem Wechsel zu anderen Klubs abzuhalten und sie langfristig ins Herren-Bundesligateam der BG zu integrieren.

Das Basketball-Modell taugt auch als Vorbild für andere Sportarten. Wenn Fuß- und Handballer ihren Vereins-Egoismus beiseite schieben und die besten Nachwuchsspieler in einer starken Stadt- oder Regionalauswahl konzentrieren würden, ergäbe sich die Chance, irgendwann einmal im Jugend- und Herrenbereich höher als auf Niedersachsen-Ebene zu spielen.

Michael Geisendorf

Michael Geisendorf

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