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Göttinger Campus-Ansichten: Das Wurzellabor

Tageblatt-Sommerserie Göttinger Campus-Ansichten: Das Wurzellabor

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Wurzellabor dreht sich Folge 12.

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Dr. Dietrich Hertel (rechts) und Torben Lübbe

Quelle: CH

Göttingen. Mit dem Pflanzenleben unter der Erdoberfläche befassen sich Wissenschaftler im Göttinger Wurzellabor. Die Forschungseinrichtung entstand 2005 im Experimentellen Botanischen Garten der Universität in der Grisebachstraße 1. „Weltweit gibt es nur eine Hand voll vergleichbarer Labore“, sagt der promovierte Biologe Dietrich Hertel (48). Der Akademische Rat betreut das Labor, das am Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften zur Abteilung Ökologie und Ökosystemforschung von Professor Christoph Leuschner (58) gehört.

 

„Das Gewächshaus, dessen Bau einen hohen fünfstelligen Betrag kostete, enthält acht Beete, die jeweils 1,80 lang und breit sind“, berichtet Hertel. Bei den Pflanzstellen handelt es sich um 2,20 Meter tiefe Container. Vom Keller aus sind sie in voller Höhe zugänglich. Plexiglasröhren führen durch die Container hindurch. „In sie lässt sich ein Scanner einführen, der dann im Erdreich Aufnahmen macht“, führt der Biologe aus. So können die Göttinger das Wachsen und Absterben der Wurzeln im Zeitverlauf beobachten.

 

Die Wissenschaftler regulieren bei ihren Experimenten den Eintrag an Wasser und Nährstoffen. Deren Aufnahme ist neben der Befestigung der Pflanze im Untergrund die Hauptaufgabe der Wurzeln. Damit keine Niederschläge die Ergebnisse verfälschen, schließt sich das große Rolldach bei Regen innerhalb von einer Minute. Die Forscher wollen wissen, wie ein bis drei Jahre alte Bäume mit bestimmten Bedingungen klar kommen. Sie simulieren etwa Trockenheit, wie sie mit dem Klimawandel verbunden ist. „Robinien ertragen zum Beispiel Trockenheit sehr gut, weshalb sie gerne an Bahndämmen gepflanzt werden“, erläutert der Biologe.

 

Die Fragen der Forscher: Wie reagieren die Wurzeln verschiedener Baumarten?Wachsen sie schneller, langsamer oder sterben sie ab? Da sich Jungbäume anders verhalten als ältere Exemplare, vergleichen die Wissenschaftler ihre Daten mit Werten aus der Freilandbeobachtung größerer Exemplare. „Dort sind jedoch keine Experimente möglich“, sagt Hertel.

 

Geforscht wird im Wurzellabor daneben unter anderem über Pilze, die mit Pflanzen in Symbiose leben. Sie stellen der Pflanze über deren Wurzeln Nährstoffe zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Kohlenstoff, den die Pflanze durch die Photosynthese aus dem Kohlendioxid der Luft gewinnt. „Diese Zusammenhänge wurden um 1900 erstmals vom Göttinger Professor Moritz Büsgen beschrieben, nach dem auf dem Nordcampus eine Straße benannt ist“, weiß der Biologe.

 

„Es gibt daneben auch Bäume, die mit Stickstoff bindenden Knöllchenbakterien, den Rhizobien, in Symbiose leben“, ergänzt Hertel. Das ermöglicht es zum Beispiel Erlen oder Robinien an nährstoffarmen Standorten zu gedeihen, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Baumarten sichert.

 

Von Michael Caspar

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