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Kräftig aufgeheizt

Filmkabine Kräftig aufgeheizt

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um die Filmvorführkabine im größten Hörsaal der Universität dreht sich Folge 52.

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In der Vorführkabine: Von 1986 an hat Hausmeister Heinz-Joachim Rohland im Zentralen Hörsaalgebäude Filme gezeigt.

Quelle: mic

Göttingen. Die beiden mannshohen Projektoren, mit denen einst 16- und 32-Millimeter-Filme gezeigt wurden, stehen noch immer in der Vorführkabine des Hörsaals 011, des größten Hörsaals der Göttinger Universität. Doch eingesetzt werden sie seit der Sanierung im Jahr 2013 nicht mehr. Damals stieg die Hochschule auf digitale Formate um.

Fenster nach draußen gibt es in der 20 Quadratmeter großen Kabine nicht, deren Einrichtung noch weitgehend der Erstausstattung von Anfang der 70er-Jahre entspricht. In der Wand zum - ebenfalls fensterlosen - Hörsaal gibt es mehrere Öffnungen. Heute projeziert ein Beamer Filme auf die Leinwand. „Die Handhabung digitaler Datenträger, DVD und Blu-ray, ist einfach und bequem“, erklärt Hausmeister Heinz-Joachim Rohland. Als er 1986 bei der Universität angefangen habe, sei die Vorführung von Filmen Teil seiner Aufgaben gewesen. Zu viert hätten sie sich damals abgewechselt. Er habe damals den Filmvorführschein machen müssen.

„Angeliefert wurden die Filme auf schweren Rollen“, erinnert sich Rohland. Bis zu acht Stück seien das gewesen. Nicht selten habe es Probleme mit der pünktlichen Lieferung gegeben. Teilweise hätten Zugführer die Filme in der Lok mitgenommen, um sie noch rechtzeitig nach Göttingen zu bringen. Studierende hätten sie auf dem Bahnsteig persönlichen entgegen genommen.

„Auf eine Rolle passen jeweils 20 Minuten Film“, erzählt der Hausmeister. Mit Tesafilm hätten sie jeweils die Enden aneinander geklebt. Drei, vier so verbundene Rollen seien 15 bis 18 Kilogramm schwer gewesen, schätzt er. Während der Vorführung hätten sie dann nur einmal zum anderen Projektor wechseln müssen. Das Abpassen des richtigen Moments habe Aufmerksamkeit verlangt. Zeichen am Rande der Rolle hätten den Moment des Umblendens angezeigt. „Wenn wir uns zu lange Zeit ließen, fing der Film Feuer“, berichtet Rohland. Die 2500-Watt-Birne des Projektors sei sehr heiß geworden. Sie habe die Vorführkabine kräftig aufgeheizt. „Es kam auch immer mal wieder vor, dass ein Film riss“, erinnert sich der Vorführer. Dann sei es Weiß auf der Leinwand geworden und die bis zu 1000 Studierenden im Hörsaal hätten gejohlt.

„Wir zeigten damals jede Woche Filme“, erzählt Rohland. 16-Millimeter-Streifen des Göttinger Instituts für den Wissenschaftlichen Film habe etwa das Tierärztliche Institut oder die Biologische Fakultät in der Lehre eingesetzt. Studentische Filmclubs hätten zudem mehrmals wöchentlich Kinoabende angeboten.

Der Hausmeister schwärmt von der Bildqualität. Das charakterische Knattern des Projektors hat er bis heute im Ohr. „Ende der 90er Jahre kam dann die digitale Technik auf“, berichtet der Hausmeister. Seit 2013 sei nur noch der Beamer im Einsatz. Mittlerweile beherrsche außer ihm kein Hausmeister mehr die alte Technik. In zweieinhalb Jahren werde auch wie seine ehemaligen Kollegen er in Ruhestand gehen. Er hoffe, dass die Projektoren nicht verschrottet werden. Das habe zurzeit niemand vor, erklärt dazu auf Anfrage Rainer Bolli, der das Gebäudemanagement der Universität leitet.

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