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Blick ins schlagende Herz

„Campus-Ansichten“: Magnetresonanztomograf Blick ins schlagende Herz

Die Tageblatt-Serie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um das Echtzeit-MRT der Universitätsmedizin Göttingen dreht sich Folge 32.

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Quelle: Wenzel

Göttingen. Der Flachbau vor dem Osteingang des Klinikums fällt nicht weiter auf. Doch setzt die Göttinger Universitätsmedizin dort seit zwei Jahren ein einzigartiges Verfahren ein. Der Magnetresonanztomograf (MRT) liefert Bilder in Echtzeit für klinische Anwendungen.

Durch eine große Glasscheibe im Vorraum ist das mächtige, neun Tonnen schwere Gerät zu sehen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützen seinen Betrieb.

„Ein supraleitender Magnet erzeugt ein Feld mit einer Stärke von drei Tesla, dem etwa 60.000-fachen des Erdmagnetfelds“, erläutert Prof. Joachim Lotz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Er betreut das Gerät zusammen mit Physikprofessor Martin Uecker, der in der Arbeitsgruppe von Prof. Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie wesentlich an der Entwicklung des Geräts beteiligt gewesen ist.

Den Raum, in dem der MRT steht, umgibt ein Drahtgeflecht. Es schafft einen Faradayschen Käfig, einen Raum, in den von außen keine Strahlung eindringen kann. „Das ist wichtig, da die Signale des MRT fast die gleiche Wellenlänge wie der Polizeifunk haben“, erläutert Lotz. Diese Wellen würden die Bilder unbrauchbar machen.

Vor Betreten des MRT-Raumes sind alle Metallstücke abzulegen. Warum das nötig ist, demonstriert der Professor mit einem Kugelschreiber. Er legt ihn auf die Handfläche und nähert sich dem Gerät. Plötzlich fliegt der Stift davon, jagt wild in der Röhre des MRT herum. So ein Eigenleben entwickeln auch Münzen, Haarnadeln oder Ketten. Verletzungen drohen. „Kleinteile werden in den MRT hineingezogen und müssen mühsam wieder herausgeholt werden“, berichtet Lotz.

Auch Scheckkarten dürfen keinesfalls in die Nähe des Geräts gelangen, anderenfalls droht Datenverlust auf dem Magnetstreifen. „Mir passiert das regelmäßig“, sagt Lotz. Bei der Sparkassenfiliale im Klinikum sei er bereits für solche Missgeschicke bekannt.

Das Echtzeit-MRT ist in der Lage, 30 Bilder in der Sekunde zu liefern. „Bei herkömmlichen Geräten muss der Patient still liegen, um gute Aufnahmen zu bekommen“, erklärt Lotz. Das innovative Gerät in Göttingen zeigt dagegen Bewegungen, etwa der Hand, des schlagenden Herzens oder der Muskeln beim Kauen.

Das eröffnet neue Möglichkeiten in der Medizin, die in Göttingen erforscht werden. Lotz befasst sich zum Beispiel gemeinsam mit Prof. Gerd Hasenfuß, dem Direktor der UMG-Klinik für Kardiologie und Pneumologie, mit dem Legen eines Herzkatheters unter dem Echtzeit-MRT. „Bisher röntgen wir die Patienten dabei, was aber aufgrund der Strahlenbelastung nicht optimal ist“, führt der Professor aus. Anfang April sei ihnen ein Durchbruch gelungen.

Die mathematischen Grundlagen für die Echtzeit-Technik hat Uecker geschaffen. In seiner Doktorarbeit entwickelte er eine Methode, um aus einer wesentlich geringeren Zahl von Messdaten als bisher Bilder zu berechnen.

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