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Islamkritiker und „der wahre Islam“

Göttinger Doktorand über die Unterstützung aufgeklärter Muslime Islamkritiker und „der wahre Islam“

Eine politische Ideologie, die zur gewaltsamen Unterwerfung der Ungläubigen aufruft: Das sieht Autor Bill Warner im Islam. „Islamkritiker wie Warner verwechseln den Islam mit extremen Auslegungen, wie dem Dschihadismus“, meint der Göttinger Doktorand Christian Röther.

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Der Doktorand Christian Röther

Göttingen. „Die Dschihadisten versuchen tatsächlich mit Gewalt einen islamischen Staat zu errichten, in dem 'Ungläubige' ausgegrenzt, versklavt oder getötet werden“, sagt Röther, der an der Universität Göttingen seine Doktorarbeit über Islamkritiker geschrieben hat. Auch gebe es Staaten wie Saudi-Arabien oder den Iran, wo das islamische Recht, die Scharia, in extremen Formen gelten würde. Dort seien Andersgläubige Bürger zweiter Klasse, Frauen nicht gleichberechtigt. Dort werde die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Kunst teilweise unterdrückt.

Diese Aspekte führt Islamkritiker Warner in seiner Broschüre „Scharia für Nicht-Muslime“ gegen den Islam an. „Solche Vorschriften finden sich im islamischen Recht, das aber komplex und in vielen Punkten nicht eindeutig ist“, betont Röther. Die meisten islamischen Länder würden sich zur Scharia bekennen, sie aber in vielen Punkten anders auslegen, etwa bei Körperstrafen. Genau dagegen machten Islamisten mobil. Sie wollten die aus ihrer Sicht „ungläubigen“ Regime der islamischen Welt stürzen und „den wahren Islam“ wieder herstellen.

„Islamkritiker und Islamisten sind sich oft darin einig, was dieser 'wahre Islam' ist“, hat Röther beobachtet. Die ungleichen Partner würden gemeinsam gemäßigte, säkulare, aufklärerisch gesinnte Muslime angreifen. Die Islamkritiker würden ihnen vorwerfen, die eigene Religion nicht zu kennen oder sich zu verstellen. Die Islamisten erklärten sie zu „Abtrünnigen“, die mundtot zu machen, zu inhaftieren oder gar zu töten seien.

„Wer den Islam pauschal verurteilt, fällt jenen Muslimen in den Rücken, die der Westen eigentlich stärken sollte“, sagt Röther. Diese Kräfte seien seit den 70er-Jahren ohnehin in der Defensive. Sie würden als Handlanger der früheren Kolonialherren diskreditiert. Vielen Muslimen seien Menschenrechte und Demokratie durch die westliche Realpolitik unglaubwürdig geworden.

„Die islamistischen Kräfte erstarken dadurch“, sagt Röther. Nur eine Minderheit unter ihnen, die Dschihadisten, setzten auf Terror. Und selbst die Dschihadisten seien untereinander zum Teil bis aufs Blut verfeindet. Daneben gebe es islamistische Parteien, die auf demokratischem Wege an die Macht kommen wollten. Eine dritte Gruppe halte sich von der Politik fern und versuche andere für eine fromme Lebensweise zu gewinnen.

Röthers Buch „Wenn die Wahrheit Kopf steht. Die Islamfeindlichkeit von AfD, Pegida und Co.“ erscheint im Februar 2017 im Gütersloher Verlagshaus.

Islamkritiker Bill Warner

„Scharia für Nicht-Muslime“ lautet der Titel eines schmalen Bandes, den Bill Warner veröffentlicht hat. Der amerikanische Autor, der nach eigenen Angaben promovierter Physiker und Mathematiker ist, präsentiert sich als Experte für den politischen Islam. Seine Schrift bietet eine Einführung ist die Gedankenwelt der Islamkritiker.

Nach Warners Darstellung ist Mohammed als Religionsstifter gescheitert. In den ersten 13 Jahren als Prophet in Mekka habe er mit einer Botschaft der Toleranz gerade einmal 150 Menschen für den Islam gewinnen können. Erfolg hätte Mohammed erst gehabt, nachdem er mit seinen Anhängern nach Medina übergesiedelt sei. Der von da an verkündete Islam sei eine politische Ideologie der gewaltsamen Unterwerfung der Ungläubigen. Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der Anhänger auf 100.000 Menschen angestiegen.

Bill Warner: „Scharia für Nicht-Muslime.“ Brno/Tschechien, 2015.

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