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Göttinger Ethnologe befürchtet weitere Anschläge durch Boko Haram

Terrororganisation Göttinger Ethnologe befürchtet weitere Anschläge durch Boko Haram

Die Macht der militant-islamistischen Boko-Haram-Bewegung im Nordosten Nigerias ist gebrochen, meint der Göttinger Ethnologie-Professor Roman Loimeier. Solange aber die wirtschaftliche Unterentwicklung und die Korruption fortbeständen, werde das Armenhaus Nigerias nicht zur Ruhe kommen.

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Anführer der Boko-Haram-Bewegung: Abubakar Shekau.

Quelle: AFP

Göttingen. Mangelnde Unterstützung durch die anderen Muslime mache die Gruppierung unter Führung von Abubakar Shekau für den Niedergang der Bewegung verantwortlich. 2013 habe sie noch 60 Prozent der Fläche des nordostnigerianischen Bundesstaates Borno kontrolliert. Unter dem neuen Präsidenten Nigerias werde sie aber vom Militär zunehmend in die Defensive gedrängt.

 
„Unzufriedenheit mit der politischen Klasse machte Boko Haram, die die Missstände anprangerte, nach der Gründung 2002 populär“, berichtet der Professor. Die Bewegung trete für eine Rückbesinnung auf die islamische Urgemeinde, die Salaf („Vorfahren“), ein. Das bedeute auch eine Abkehr vom säkularen Bildungssystem Nigerias.

 
„Boko Haram war aber nie grundsätzlich gegen westliche Bildung“, betont Loimeier. Insofern sei der Name irreführend. Boko steht für Books, westliche Bücher, beziehungsweise allgemein für westliche Bildung, Haram für verboten. „Die Anhänger haben kein Problem damit, westliche Technologie zu nutzen, seien es nun Waffen, Handys oder das Internet“, stellt der Professor klar.

 
Entstanden ist Boko Haram mit der Demokratisierung Nigerias 1999 nach Jahren der Militärherrschaft. Die Muslime im Norden des Landes führten damals die Scharia ein, das islamische Recht, das alle Bereiche des Lebens regelt. „Der Gouverneur des nordöstlichen Bundesstaates Borno heuerte Boko Haram als Schlägertruppe an, um die Scharia in der Bevölkerung durchzusetzen“, erklärt Loimeier.

 
Als sich der Gouverneur jedoch als genauso korrupt wie seine Vorgänger erwies, ging Boko Haram auf Distanz. Die Bewegung verübte Anschläge auf Polizeistationen und Militäreinrichtungen, was ihr Sympathien in der Bevölkerung einbrachte. 2009 schlug der Staat zurück. Der Gründer der Bewegung, Mohammed Yusuf, wurde zusammen mit Hunderten seiner Anhänger umgebracht.

 
Die Überlebenden flohen in unzugängliche Gebiete und radikalisierten sich unter neuer Führung. Seit 2010 ging Boko Haram gezielt gegen Christen vor, denen 2013 ein Ultimatum zum Verlassen des Nordostens gestellt wurde.

 

Von Michael Caspar

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