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Göttingen Göttinger Evolutionsbiologie Dr. Sven Bradler entdeckt neue Stabstschrecken-Art
Campus Göttingen Göttinger Evolutionsbiologie Dr. Sven Bradler entdeckt neue Stabstschrecken-Art
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17:47 20.03.2014
Stabschrecke in ihrer natürlichen Umgebung: Die Darstellung ist ein Rekonstruktion. Quelle: Sophie Fernandez
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Göttingen

Der Evolutionsbiologe Dr. Sven Bradler von der Universität Göttingen hat in Kooperation mit Paläontologen aus Frankreich und China nun eine neue Stabschrecken-Art entdeckt. Die Wissenschaftler werteten Fossilien aus der Jehol-Gesteinsgruppe im Nordosten Chinas aus und erlangten dadurch neue Erkenntnisse auf dem Forschungsgebiet der Mimese. Offenbar reagierten die Insekten mit der Verwandlung auf Umwelteinflüsse. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „PLoS one“ erschienen.

Die Fossilien stammen aus der Zeit der Unterkreide und sind etwa 125 Millionen Jahre alt. Bisher kamen die weltweit raren Fundstücke der Gruppe Stab- und Gespenstschrecken aus dem deutlich jüngeren, etwa vor 50 Millionen Jahren anzusiedelnden Eozäns.

Anhand von drei bemerkenswert gut erhaltenen Individuen – zwei Männchen und einem Weibchen – konnten die Wissenschaftler Details zur frühen Evolution und Biologie dieser Insektengruppe ermitteln. Bislang gingen Evolutionsbiologen davon aus, dass sich die Insekten an ihre Nahrung anpassten. Spätestens seit der Oberkreide, etwa vor 90 Millionen Jahren, waren dies bedecktsamige Blütenpflanzen, die damals und heute evolutiv erfolgreichste Pflanzengruppe.

Die auffällige Färbung der ausgeprägten Flügeladern der Stabschrecken lässt nun aber vermuten, dass die Insekten damals blattförmige Organe einer Ginkgo-verwandten Pflanze imitierten, einer nacktsamigen Pflanze. Diese waren lange vor dem Aufstieg der Blütenpflanzen zu finden.

„Die frühe Form der Blattmimese deutet darauf hin, dass sich die Stabschrecken schon damals als Abwehr gegen Insektenfresser wie Vögel und Säugetiere, die in den Bäumen wohnten, an die Umgebung anpassten. Deren Anwesenheit veranlasste die Stabschrecken vermutlich zu der trickreichen Tarnung“, so Evolutionsbiologe Bradler, der am Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen forscht.

Von wag

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