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Göttinger Forscher entwickeln Diagnosekoffer für Ebola-Nachweis

Labor im Koffer Göttinger Forscher entwickeln Diagnosekoffer für Ebola-Nachweis

Wissenschaftler, die zurzeit in Westafrika einen Ebola-Test machen wollen, brauchen ein großes, gut ausgerüstetes Labor, Strom und eine zuverlässige Kühlkette.

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Demonstriert die einfache Handhabung des Minilabors: Dr. Ahmed Abd El Wahed.

Quelle: Hinzmann

Göttingen.  „Ein solches Labor werden sie etwa in Guinea nur an wenigen Stellen finden“, sagt Dr. Ahmed Abd El Wahed von der Abteilung Infektionsmodelle des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) in Göttingen. Schwierige Bedingungen, die eine effektive Ebolakontrolle behindern. Mit einem Minilabor, das in einen Koffer passt, und einem neuen einfachen, aber sicheren Test wird sich Wahed daher nächste Woche auf den Weg nach Afrika machen.

Das Testverfahren wurde bereits 2013 in der Abteilung Virologie der Universitätsmedizin (UMG) unter Leitung von Prof. Frank Torsten Hufert für Ebola entwickelt. Das Kofferlabor wird nun gemeinsam mit den Projektpartnern Institut Pasteur Dakar, dem staatlichen Gesundheitsinstitut von Guinea, der Universität von Stirling, dem Robert Koch Institut und der Firma TwistDx Ltd. im Feldversuch auf Tauglichkeit getestet. In Dakar im Senegal wird Wahed Ärzte und Apothekerinnen schulen, die dann den Test in den von Ebola betroffenen Regionen durchführen sollen.

Derzeit zur Diagnose eingesetzte Tests beruhen auf dem Nachweis des Ebolavirus-Genoms im Blut oder Speichel von erkrankten Personen durch die Technik der Polymerasekettenreaktion in Echtzeit (PCR). Nach drei Stunden, so Wahed, habe der Forscher dann das Ergebnis. Der Diagnosekoffer hingegen erlaubt den Nachweis von Ebolaviren nicht nur in entlegenen Gebieten, sondern auch auf Flughäfen und in Quarantänestationen.

Er enthält alle notwendigen Reagenzien und Ausrüstung, um das Ebolavirus innerhalb von 15 Minuten direkt vor Ort nachzuweisen. Das „Labor-im-Koffer“ wird mit Solarstrom betrieben und kommt ohne kühlbedürftige Reagenzien aus. Die Proben werden mit der Rekombinase Polymerase Amplifikationstechnik (RPA) analysiert werden. Dieser Test sei einfacher anzuwenden und sehr sicher. Die Sensitivität liege bei 98 Prozent, so Wahed. Das heißt nur zwei Prozent der Personen, bei denen der Test Ebola feststellt, haben es nicht. Im negativen Bereich liegt die Sicherheit bei 100 Prozent. „Wenn der Test sagt, die Person hat kein Ebola, dann hat sie auch kein Ebola“, so Wahed.

Die Idee ein kleines Labor für den Nachweis von Viren zu entwickeln, hat Wahed bereits zusammen mit Prof. Hufert an der UMG verfolgt. Schon 2013 haben sie einen einfachen Plastikkoffer in einem Baumarkt erworben, ihn ausgeschäumt und dort alle nötigen Utensilien untergebracht.

„Wir sind sicher, dass der Diagnosekoffer zu einem besseren Management der Ebola-Krise beitragen kann“, sagt Wahed. Er wird fünf dieser Koffer für Untersuchungen in mehreren Ebola-Behandlungszentren in Guinea zusammenstellen. Bis Ende des Jahres sollen die Labore getestet und laufend verbessert werden. „Vielleicht brauchen wir stärkere Akkus oder andere Pipetten“, so Wahed. 

Der Test kann bereits in großen Stückzahlen hergestellt werden. Von den Koffern gibt es nur die von dem Göttinger Wissenschaftler „gebastelten“ Fassungen.

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