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Göttinger Forscher wollen Bluttest für sichere Therapie entwickeln

Altes Mittel, neue Wirkung Göttinger Forscher wollen Bluttest für sichere Therapie entwickeln

Nierenforscher der Universitätsmedizin Göttingen haben im Blut Biomarker für das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung gefunden. Sie entdeckten, dass ein altbekanntes Bluthochdruckmedikament in niedriger Dosis die chronisch kranke Niere schützt. 

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Nierengewebe mit epigenetisch veränderten Fibroblasten (blau) mauern einen Nierentubulus (mit roten Kernen und grüner Begrenzung) ein.

Quelle: MZ

Göttingen. Für chronische Nierenerkrankung gibt es bisher noch keine Behandlung, die direkt bei der Ursache ansetzt. Etwa 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind davon betroffen, teilte die Universitätsmedizin mit.

Die Erkenntnisse der Nierenforscher an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)  unter der Leitung von Prof. Michael Zeisberg, Klinik für Nephrologie und Rheumatologie, könnten für eine ursächliche Behandlungsstrategie hilfreich sein. Die Forscher fanden heraus: Die epigenetische Abschaltung des Gens „RASAL1“ trägt zum Fortschreiten chronischen Nierenversagens bei.

Spuren dieser epigenetischen Veränderungen in Zellen der Nieren lassen sich mit einem neuen Bluttest nachweisen. Ein weiteres Ergebnis ihrer Untersuchungen: Ein altes Medikament gegen Bluthochdruck - „Dihydralazin“ -, macht offenbar schädliche epigenetische Veränderungen bei chronischen Nierenerkrankungen rückgängig. Ein entsprechender Effekt ist ebenfalls im Blut messbar. Damit eröffnen sich möglicherweise Ansätze für eine ursächliche Behandlungsstrategie bei Patienten mit chronisch-kranken Nieren.

Dabei spielt die DNA-Methylierung eine wichtige Rolle: Durch das Anhängen von Methylketten an DNA wird die Erbsubstanz von Nierenzellen so verändert, dass die Niere chronisch erkrankt.

„Wir haben entdeckt, dass die erkrankte Niere methylierte DNA-Fragmente in das Blut freisetzt. Mittels eines neuen Testverfahrens können wir die Fragmente nachweisen“, sagt Zeisberg, Leiter des Teams und Senior-Autor der Publikation. Dihydralazin wird bereits seit 1947 als Blutdruckmedikament verwendet, ist derzeit aber weitgehend anderen Typen von effektiveren Blutdrucksenkern gewichen.

Wegen der sehr geringen Gefahr von Nebenwirkungen wird es nach wie vor bei Schwangeren als Blutdruckmedikament der ersten Wahl verwendet. Die Schutzwirkung für die Niere wurde bisher übersehen, weil das Bluthochdruckmittel die chronisch erkrankte Niere offenbar nur dann schützt, wenn es deutlich unterhalb der Dosierung liegt, die norma-lerweise zur Blutdrucksenkung verwendet wird.

Die Nierenforscher zeigten, dass Dihydralazin – unabhängig von seiner blutdrucksenkenden Wirkung – einen körpereigenen de-methylierenden Mechanismus anregt und im Tiermodell das Voranschreiten chronischer Nierenerkrankung hemmt. Und die Mediziner gehen davon aus, dass das Medikament weniger Nebenwirkungen hat als bei de-methylierenden Chemotherapeutika, die an alle Gene ansetzen. Zeisberg: „Unsere Erkenntnisse setzen uns jetzt in die Lage, mittels eines Bluttests Patienten identifizieren zu können, die dann möglicherweise von einer kausalen und sicheren Therapie mit Dihydralazin profitieren.“

jes/eb

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