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Rastafari: Mehr als Reggae-Musik und Marihuana-Rauchen

Rastafari: Mehr als Reggae-Musik und Marihuana-Rauchen

Die seit 1930 existierende Rastafari-Bewegung ist ein Forschungsthema des Göttinger Religionswissenschaftlers Andreas Grünschloß. Der Wissenschaftler von der Universität Göttingen sieht Rastafari unter den Strömungen, "die Schwarzen ihren Stolz zurückgeben wollen. Die Rastafari-Bewegung gibt schwarzen Menschen, deren Selbstbewusstsein durch Sklaverei, Kolonialismus und weißen Rassismus verletzt worden ist, neuen Stolz. Sie macht Mut, das Leben in die eigene Hand zu nehmen.“

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Verehren den äthiopischen Kaiser Haile Selassie: Mitglieder der Rastafari-Bewegung, die sich 1930 gründete.

Quelle: dpa

Göttingen. Rastafari sei mehr, als Reggae-Musik zu hören, die Haare als Löwenmähne zu tragen und Marihuana zu rauchen, stellt der Professor klar. Die Mehrheitsgesellschaft auf der Karibik-Insel Jamaica, wo die Bewegung in den 1930er-Jahren entstanden sei, hätte das nicht gleich erkannt. Die Rastas seien dort vor allem in den 50er- und 60er- Jahren, als die Bewegung erstarkte, als „asoziale Rauschgiftsüchtige“ kriminalisiert worden. Das Bild habe sich erst mit dem weltweiten Siegeszug der Reggae-Musik von Bob Marley und anderen gewandelt.

„Rastafari muss zusammen mit anderen Strömungen gesehen werden, die Schwarzen ihren Stolz zurückgeben wollen“, erläutert der Religionswissenschaftler. Auf Jamaica hätten im 19. Jahrhundert schwarze Baptistenprediger die Nachfahren der Sklaven mit dem Volk Israel gleich gesetzt. Wie die Israeliten seien sie nach Babylon in die Sklaverei verschleppt worden. In der Rückkehr nach Afrika habe der jamaicanische Aktivist Marcus Garvey die einzige Zukunft seiner schwarzen Landsleute gesehen. Er habe sogar eine eigene Schiffslinie gegründet.

Die Initiatialzündung für das Entstehen der Rastafari-Bewegung sei 1930 die Krönung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie gewesen, führt Grünschloß aus. Selassies Dynastie führe sich nach einer Thronfolgelegende aus dem 13. Jahrhundert auf Menelik I. zurück, einen angeblichen Sohn aus der Beziehung der Königin von Saba und dem jüdischen König Salomo. Haile Selassie habe für sich die Titel verwendet, mit denen der Messias in der Johannes-Offenbarung geehrt werde: „König der Könige“ und „Löwe von Juda“.

„Verschiedene Prediger auf Jamaica verbanden die verschiedenen Gedanken“, erläutert Grünschloß. In Äthiopien, so hätten sie erklärt, sei der göttliche Erlöser erschienen. Er werde die Schwarzen aus der Sklaverei Babylons retten. Auch wenn sich die Träume nicht erfüllt hätten und die äthiopische Dynastie 1976 von Kommunisten gestürzt worden sei, so verehrten die meisten Rastas Haile Selassie bis heute.

„Das Verlangen, nie wieder Objekt zu sein, hat zur Herausbildung eigener Sprachkonventionen geführt“, berichtet der Wissenschaftler. So ersetzten Rastas die Worte „mir“ und „mich“ durch „ich und ich“. Das zweite „ich“ stehe dabei für das Göttliche in jedem Menschen. Jeder müsse mit Respekt behandelt werden. Deshalb sei in der Rastafari-Bewegung ein antiweißer Rassismus nie mehrheitsfähig gewesen.

Als Mittel, um mit Gott in direkten Kontakt zu kommen, würden Rastas Marihuana rauchen, erläutert der Wissenschaftler. Diese Praxis hätten sie vermutlich von indischen Arbeitern übernommen, die während der Kolonialzeit nach Jamaica gekommen seien. Auch Hindus rauchten Marihuana in rituellem Kontext. 

Von Michael Caspar

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