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Göttinger Garten mit Geschichte: Heynes Haus und Kerns Idee

Campus-Ansichten Göttinger Garten mit Geschichte: Heynes Haus und Kerns Idee

Die Tageblatt-Sommerserie „Campus-Ansichten“ bietet Einblicke und Ausblicke, die die Universität und Forschungsinstitute in Göttingen von Seiten zeigen, die nur wenigen Menschen bekannt sind. Um den Heyne-Garten geht es in Folge 8.

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Gärtner Felix Kersten hegt und pflegt den Garten am Heyne-Haus zwischen Papendiek und Leinekanal.

Quelle: Caspar

Göttingen. „Ich bin fast in jeden Tag hier“, sagt Gärtnermeister Felix Kersten (69). Der gebürtige Adelebser kümmert sich um den Garten des Heyne-Hauses am Papendiek 16, den er 2003/04 nach historischen Vorbildern angelegt hat. Benannt ist das Gebäude nach dem Begründer der Altertumswissenschaften, Christian Gottlob Heyne, der von 1774 bis zu seinem Tode 1812 dort lebte.

„Die Universitätsbibliothek befand sich bereits damals auf der Straßenseite gegenüber in der alten Paulinerkirche“, nennt Historiker Wolfgang Böker (52) als Grund, warum Heyne das Gebäude 1774 erwarb. Zwei weitere Motive: Das Haus war groß genug, um dort Vorlesungen abzuhalten. Zudem war der Kaufpreis seinerzeit mit 3205 Reichstalern günstig. Zuvor hatte dort der Fabrikant Johann Heinrich Scharff Uniformtuche für die Hannoversche Armee gefertigt.

Heyne ließ ein Gartenhäuschen errichten, in dem sich seine Tochter Therese mit dem Naturforscher und späteren Mainzer Revolutionär Georg Forster verlobte. Das Häuschen steht immer noch am Ende des Gartens, der zur Goetheallee hin spitz zuläuft. Verschwunden ist dagegen ein Gebäudeflügel, der einst den Wirtschaftshof einfasste. Dafür entstand in den 1930er Jahren entlang des Papendieks ein Anbau, in dem heute Gastwissenschaftler des Lichtenberg-Kollegs unterkommen.

Die Universität ließ das Heyne-Haus 2001 sanieren. Alt-Universitätspräsident Horst Kern, der im neu hergerichteten Gebäude ein Büro erhielt, engagierte Kersten für die Anlage des Gartens. Er kannte den Gärtnermeister bereits, weil dieser als stellvertretender Leiter der Universitätsgärtnerei den Aula-Garten am Wilhelmsplatz gestaltet hatte. Dort befand sich Kerns früheres Büro.

Für einen Garten erwies sich das Grundstück am Papendiek allerdings nicht gut geeignet. „Es ist zu dunkel, im Sommer zu trocken und im Winter zu nass“, sagt Kersten. Er habe sich trotzdem ins Zeug gelegt, um Kern nicht zu enttäuschen, verrät er. Auch heute, wo der Professor schon lange nicht mehr in Göttingen lebt, kümmert sich der Handwerksmeister um den Garten. Er hält den Juventus-Sportrasen kurz. Die kleinen Buchsbaum-Hecken, die die Beete einfassen, sind nachzuschneiden. „Blauer Heinz“ heißt die Sorte, die im Herrenhäuser Garten in Hannover gezüchtet worden ist.

Stolz ist Kersten auf die Fuchsien, die aus dem Alten Botanischen Garten stammen, sowie das Indische Blumenrohr, das den Winter über drinnen stehen muss. Der gepflegte Garten erfüllt den 69-Jährigen mit Stolz. Er freut sich, wenn Passanten auf der anderen Seite des Leinekanals stehen bleiben und neugierig herüber schauen. „Solange ich kann, arbeite ich hier weiter“, verspricht er.

Von Michael Caspar

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