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Göttinger Idee: Spanplatten aus Popcorn

Neuartige Holzprodukte Göttinger Idee: Spanplatten aus Popcorn

Spanplatten aus Popcorn fertigt das Biotechnikum der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie. „Die Platten sind ultraleicht, schwer entflammbar und lassen sich gut recyceln“, nennt Alireza Kharazipour Vorteile des von ihm entwickelten Verbundwerkstoffs. Der Professor der Göttinger Universität leitet die Einrichtung im Büsgenweg 2.

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Die Idee mit den Popcorn-Spanplatten kam dem Wissenschaftler Alireza Kharazipour im Kino.

Quelle: HW

Göttingen. In der Luft hängt der Geruch von Popcorn. Auf einem Fließband kommt der Puffmais aus der Maschine. „Diese Anlage ist ein Unikat“, sagt Kharazipour stolz. Der Chemiker und Verfahrenstechniker, der in der Abteilung Molekulare Holztechnologie und Technische Mykologie tätig ist, hat sie mit Mitarbeitern konstruiert. So erzeugen sie den Rohstoff für ihre Experimente.

Die Idee mit den Popcorn-Spanplatten kam dem Wissenschaftler im Kino. Könnte die Nascherei das knapp werdende Nadelholz, den traditionellen Grundstoff für die Spanplatten-Produktion, ersetzen? Kharazipour machte sich an die Arbeit. Im Biotechnikum, das 2002 errichtet worden ist und über 600 Quadratmeter Nutzfläche verfügt, steht unter anderem eine Maschine zur Spanplattenproduktion.

Die Versuchsreihen verliefen so erfolgreich, dass Kharazipour 2008 ein erstes Patent anmelden konnte. Das Produkt enthält neben 40 Prozent Popcorn 60 Prozent Holzspäne. Die Pfleiderer Holzwerkstoffe GmbH erwarb die Lizenz. 2011 brachte sie solche Platten unter dem Warennamen Balance Board auf den Markt. Sie kommen unter anderem beim Bau von Küchen, dem Innenausbau von Kreuzfahrtschiffen der Linie Aida oder im Messebau zum Einsatz.

Unterdessen ist die Entwicklung im Biotechnikum fortgeschritten. Die Göttinger verwenden heute Popcorn aus geschrotetem Mais, wodurch sich die Granulatgröße genau bestimmen lässt. Das Rohmaterial wird mittlerweile fast ausschließlich vom Industriepartner bezogen. Der Rohstoff lagert in großen Behältern auf einer Balustrade im Biotechnikum.

Den Forschern gelang zwischenzeitlich die Entwicklung einer Platte, die zu 100 Prozent aus Popcorn besteht. Für zusätzliche Festigkeit sorgen Beschichtungen aus Holzfurnier oder Aluminium. Die Wissenschaftler haben ihre Erfindung auf den Holzfachmesse Ligna in Hannover ausgestellt. „Das Material dämmt Wärme und Schall“, berichtet Kharazipour. Im Gegensatz zu Holzspanplatten gase es kein Formaldehyd aus, versichert er.

Nachgewiesen haben die Wissenschaftler das in einem der drei Labore des Biotechnikums. In 23 Grad Celsius warmen Klimakammern hängen dort die zu untersuchenden Bretter. Die Wissenschaftler analysieren hindurchgeleitete Luft. Kharazipours Mitarbeiter, der promovierte Forstingenieur Markus Euring, sieht das neue Produkt als Alternative zu Styropor. Es lasse sich neben dem Möbelbau und der Fassadendämmung auch im Automobilbau einsetzen. Die Konzerne wollten leichtere Autos bauen, um den Treibstoffverbrauch zu verringern beziehungsweise die Leistung zu erhöhen. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe verbessere zudem das Image.

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