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Göttinger Islam-Experte Bassam Tibi über die Religion und ihre Regeln

Muslime und Islamisten Göttinger Islam-Experte Bassam Tibi über die Religion und ihre Regeln

Zehn Jahre lang hat Bassam Tibi (70) geschwiegen. Seit den Anschlägen auf die Redakteure der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Frankreich meldet sich der streitbare Göttinger Islam-Experte wieder öffentlich zu Wort.

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Muslime stehen auf einer Straßenkreuzung in Doha beim Freitagsgebet vor ihren Gebetsteppichen.

Quelle: dpa

Göttingen. So stellt er bei einem Vortrag vor 30 Seminarteilnehmern seines Schülers,  Politikwissenschaftler Dr. Behrouz Khosrozadeh (55) vom Göttinger Zentrum für Demokratieforschung, klar, dass auch Dschihadisten „fromme Muslime“ seien.

Dass Islam-Verbände, aber auch Teile der Öffentlichkeit das bestreiten, hält der emeritierte Professor für Internationale Beziehungen der Universität Göttingen für gefährlich. Die Gesellschaft, insbesondere jedoch die Muslime, vermieden es so, sich mit unangenehmen Seiten des Islams auseinander zu setzen. „Der Islam ist keine pazifistische Religion“, stellt Tibi klar. Allerdings gebe es klare Regeln bei der Gewaltausübung.

Nach Meinung der Dschihadisten sei der Islam jedoch gegenwärtig so bedroht, dass die Regeln außer Kraft gesetzt seien, erläutert der Wissenschaftler. Er hält das Dschihad-Konzept grundsätzlich für unvereinbar mit Demokratie und Menschenrechten. Die Muslime müssten sich ganz davon verabschieden.

Auch das islamische Rechtssystem, die Scharia, sei grundgesetzwidrig. Es kenne zum Beispiel keine Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Friedliche Islamisten

Tibi macht darauf aufmerksam, dass es neben den gewalttätigen Dschihadisten auch friedliche Islamisten gibt. Sie ließen sich auf demokratische Prozesse ein, um das menschenrechtswidrige islamische System auf diesem Weg zu errichten. Zu ihnen gehörten die Muslimbrüder, die mit dem Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten für kurze Zeit an die Macht gekommen seien. Auch darüber müsse gesprochen werden.

Verletzt zeigt sich der Wissenschaftler darüber, dass Muslime und Teile der deutschen Öffentlichkeit Islamkritiker wie ihn mit Islamfeinden gleichsetzen. Tibi, der sich zum Islam bekennt, macht sich für eine Reform seiner Religion stark. Er distanziert sich von Gruppen wie Pegida, die nicht zwischen dem Islam und der politischen Ideologie des Islamismus unterscheiden.

Die Pegida-Anhänger, so Tibi, grenzten Muslime aus und trieben sie so in die Arme der Islamisten. Aus Sicht der Islamisten würde der Westen Muslime nie akzeptieren, weswegen es sinnlos sei, sich westlichen Regeln zu unterwerfen. Gleichzeitig helfe jeder Terroranschlag der Dschihadisten Pegida dabei, noch mehr Deutsche gegen den Islam zu mobilisieren. So profitierten beide Gruppen voneinander.

Von Michael Caspar

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