Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Nordkorea will Stärke demonstrieren
Campus Göttingen Nordkorea will Stärke demonstrieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:27 11.05.2017
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

„Seit 2000 Jahren ist die koreanische Halbinsel immer wieder von fremden Eroberern unterworfen worden“, führt Reckel aus. Die Koreaner im Norden wie im Süden reagierten daher empfindlich auf Versuche fremder Mächte, sie zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen. Das gelte nicht nur für wirtschaftliche Sanktionen des Westens oder militärische Drohungen der USA, sondern auch für diplomatische Einflussnahmen Chinas, des wichtigen nordkoreanischen Verbündeten.

Auch dass sich Nordkorea von der übrigen Welt abzuschotten versucht, überrascht Reckel nicht. „So hat Korea in seiner langen Geschichte immer wieder auf Bedrohungen von außen regiert“, berichtet er. Bis 1876 sei Korea als das „Einsiedler-Königreich“ bekannt gewesen. Dann habe Japan die Öffnung des Landes militärisch erzwungen und Korea von 1910 bis 1945 kolonisiert.

Dass Nordkoreas Atomprogramm eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt, glaubt Reckel nicht. „Das kleine Land versucht mit seinen Atombomben- und Raketentests Stärke gegenüber mächtigen Nachbarn zu demonstrieren“, ist er überzeugt. Es wolle andere Länder abschrecken, nicht angreifen. Die Machthaber wüssten nur zu gut, dass ein Krieg das Ende ihrer Herrschaft bedeuten würde.

„Den Aufstieg zur Atommacht hat Nordkorea der Sowjetunion zu verdanken“, weiß Reckel. Seit den 1950er Jahren laufe das Atomprogramm. Der kommunistische Verbündete habe Nordkorea, das über eigene Uran- und Graphitvorkommen verfüge, 1965 Schwerwasserreaktoren zur Sicherung der Energieversorgung geliefert. Aus den Brennstäben gewinne das Land seither Plutonium für den Bau von Atomwaffen.

„Nordkorea, das über ein gutes Bildungssystem verfügt, hat die nötigen Fachkräfte“, stellt der Referent klar. Das Land schicke zahlreiche junge Menschen zum Studium ins Ausland. Auch in Göttingen gebe es immer mal wieder nordkoreanische Studenten. Er habe sie bei persönlichen Kontakten als umgänglich und intelligent erlebt. Viele sammelten nach dem Examen als Naturwissenschaftler, Techniker oder Informatiker noch eine zeitlang Berufserfahrungen, bevor sie in das kommunistische Land zurückkehrten.

„Nordkorea erhält zudem Unterstützung von den großen nordkoreanischen Diasporagemeinden in Japan und in der chinesischen Mandschurei, in Sibirien und Zentralasien“, berichtet Reckel. Koreaner dort seien aufgrund familiärer Kontakte weit besser über die Verhältnisse in Nordkorea informiert als die meisten Südkoreaner. Südkorea unterbinde weitgehend Kontakte zwischen seiner Bevölkerung und dem Nachbarn im Norden.

Reckel hält das für einen Fehler. Allein der Dialog, wie ihn Südkorea von 1998 an für einige Zeit geführt habe, biete eine Perspektive. Der Westen solle das nordkoreanische System anerkennen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit suchen und auf eine Verbesserung der Lage der Bevölkerung hinarbeiten.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige