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Göttinger Primatenforscherin referiert in Bursfelde über Evolution

Hippie-Paviane im Senegal Göttinger Primatenforscherin referiert in Bursfelde über Evolution

Wohin wir gehen, weiß keine Wissenschaft. Das ist eher eine Sache des Glaubens. Auf die Frage, woher wir kommen, kann dagegen der Evolutionsbiologe Auskunft geben. Dies hat die Göttinger Primatenforscherin Prof. Julia Fischer in ihrem Vortrag in der Klosterkirche Bursfelde auf Einladung von Abt Joachim Ringleben am Himmelfahrtstag getan – am Beispiel von Affengesellschaften.

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Fellpflege kennzeichnet stabile Freundschaften unter den Guinea-Pavianen.

Quelle: Deutsches Primatenzentrum

Bursfelde. Fischer leitet die Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum und gehört dem Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“ der Universität Göttingen an. Seit 2006 untersucht sie das soziale Verhalten von Guinea-Pavianen im Senegal.

Affen werden gern herangezogen, um die Ursprünge menschlichen Verhaltens zu verstehen. Ob die Verhaltensweisen von Pavianen tatsächlich auf irgendeinen gemeinsamen Vorfahren in der Evolution zurückgehen, lässt sich kaum beweisen. Aber es ist schon aufschlussreich genug, analoge Entwicklungen zwischen Affen und Menschen darzustellen.

Die in Westafrika lebenden Guinea-Paviane unterscheiden sich erheblich von den in Süd- und Ostafrika lebenden Savannen-Pavianen. Letztere sind matrilinear organisiert: Weibliche Tiere verbleiben mit ihrem weiblichen Nachwuchs in der Geburtsgruppe, die männlichen Tiere wandern aus. Bei den Guinea-Pavianen dagegen bleiben eher die männlichen Affen zu Hause, während die weiblichen Tiere die Gruppe verlassen.

Der Weg zu solchen Forschungsergebnissen ist kompliziert. Die Paviane, die Fischer und ihr Team untersuchen, leben im Niokolo Koba Nationalpark im Senegal. Um deren Verhalten zu studieren, mussten einzelne Tiere gefangen und mit Radiosendern oder GPS-Geräten ausgestattet werden. Nach einer Weile konnten die Forscher sie auch individuell identifizieren und beobachten, wer mit wem zusammensaß. Zudem ist es möglich, aus dem Kot der Tiere ihren Hormonstatus und ihre genetische Verwandtschaft zu bestimmen.

Primatenforscherin Julia Fischer und Abt Joachim Ringleben. EL

Primatenforscherin Julia Fischer und Abt Joachim Ringleben. EL

Quelle:

Die Beobachtungen der Forscher ergaben, dass die Gesellschaft der Guinea-Paviane in drei Stufen organisiert ist: Zum einen gibt es Männchen, die viel Zeit in großer Nähe miteinander verbringen („Cliquen“). Zwei bis drei Cliquen schließen sich in „Gangs“ zusammen, verschiedene Gangs („Community“) nutzen dasselbe Revier, ohne sich ins Gehege zu kommen. Bemerkenswert an ihrem Verhalten ist die Seltenheit von offener Aggression, viel häufiger sind stabile Freundschaftsbeziehungen zu beobachten. Sie haben feste Grußrituale und betreiben ausgiebig Fellpflege. Fischer nennt sie „Hippie-Paviane“.

Die Guinea-Paviane, so Fischer, sind „ein schönes Beispiel dafür, sich mit den Bedingungen für die Entstehung und den Erhalt von kooperativen Tendenzen zu beschäftigen, was ja auch für unsere eigene Gesellschaft von großer Bedeutung ist.“ Und angesichts der Verhaltensunterschiede in den Affengesellschaften strich sie abschließend heraus: „Den Affen gibt es nicht.“

 Der Bursfelder Festvortrag 2014 „Schönheit und Wahrheit“ von Franziska Meier ist soeben in der Reihe „Bursfelder Universitätsreden“ im Druck erschienen (23 Seiten, 3 Euro).

Von Michael Schäfer

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