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Göttingen Insekten beim Sex belauscht
Campus Göttingen Insekten beim Sex belauscht
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21:42 25.04.2017
Quelle: AIB
Göttingen

Jeder Platz war im Saal mit der prachtvollen Stuckdecke besetzt. Selbst auf dem Boden saßen junge Menschen. Sechs, jeweils zehnminütige Vorträge standen auf dem Programm. Den meisten Applaus und die höchste Punktwertung der Jury, sechs Mal die Höchstzahl an Punkten, holte die Stuttgarter Insektenkundlerin und Bioakustikerin Susanne Grube.

„Ich belausche Zikaden beim Sex“, bekannte die Biologin. Mit einem Freiwilligen aus dem Publikum, ahmte sie zur Begeisterung des Publikums das Balzverhalten der Tiere nach. Eine Million verschiedene Arten an Insekten gebe es, darunter allein in Deutschland 630 Zikadenarten, führte Grube aus. Dutzende der Tiere stellte sie in einer rasend schnellen, witzig kommentierten Diashow vor. Mit dabei war auch die von ihr erforschte Windenglasflügelzikade.

Das Insekt, so die Stuttgarterin, infiziere Weinreben mit einer Krankheit, die zu 80 Prozent Ertragsausfällen führe. Durch Auswertung der Balzgeräusche lasse sich feststellen, wieviele der im Weinberg musizierenden Tiere Krankheitsüberträger seien. Das ermögliche es dem Winzer, die nötigen Schritte einzuleiten.

Den zweiten Platz machte Christoph Sträter vom Max-Planck-Institut für theoretische Physik aus Dresden. Er forsche über Fermionen, subatomare Teilchen, die sich abstießen, und darum als „böse“ gelten würden, erklärte der Wissenschaftler. Daneben gebe es die Bosonen, die es zueinander zöge, sowie die Anyonen, die weder Nähe noch Distanz suchten.

„Als Psychologe will ich die Menschen auf die Couch kriegen, als Discjockey von der Couch herunter“, sagte Marcus Friedrich aus Braunschweig, der auf dem dritten Platz landete. Die Psychologie habe ihm geholfen, ein besserer Plattenauflegen zu werden. Je mehr und je unbekanntere Informationen auf einen Mensch einströmten, um sehr aufgeregter werde er. Deshalb spiele er zu Beginn einer Party, unbekannte, schnelle Stücke. Mit bekannten, monotonen Titeln lasse er den Abend ausklingen.

Wie ein Laser funktioniert, erklärte Matthias Mader von Max-Planck-Institut für Quantenoptik aus München. Die Geologin Kirsten Schulze aus Bayreuth, die die ersten Science Slams in Göttingen organisiert hat, ließ ihre Zuhörer eine Hand auf die Schulter des Vordermanns und eine auf die Schulter des Sitznachbarn legen und führte ihnen so die Dynamik von Gitterschwingungen vor. David Matusiewicz aus Essen nahm die Phrasen von Managern aufs Korn.

Nächster Science Slam ist im Juni

Komplizierte wissenschaftliche Themen kurzweilig und für Laien verständlich aufbereiten, wollen die Science Slamer. 2006 ist das Format in Darmstadt erfunden worden. Seinen Durchbruch erlebte es 2009 in Hamburg. 2014 fand der erste europäische Science Slam in Kopenhagen statt.

Die Veranstaltung in Göttingen organisierte der Verein Halternativ gemeinsam mit der Zentralen Kustodie im Begleitprogramm der Nobelpreis-Ausstellung on/off. Den Abend moderierten Thorbin Schulte aus Dortmund und Tobias Glufke aus Halle an der Saale. Halternativ organisiert den nächsten Science Slam in Göttingen am Freitag, 16. Juni, um 20 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude, Platz der Göttinger Sieben 5, mit Nachwuchswissenschaftlern aus ganz Deutschland.

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