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Göttinger Streitgespräche: Das Laterankonzil im Jahr 1215 und seine Auswirkungen

Bereit für den Kelch des Leides Göttinger Streitgespräche: Das Laterankonzil im Jahr 1215 und seine Auswirkungen

Das Vierte Laterankonzil des Jahres 1215 gilt als die einflussreichste Kirchenversammlung des Mittelalters. Viele Regelungen wirken bis heute nach und sind zum Teil noch heute kanonisches Recht. Wie sieht es aus mit „Ökumene vor 800 Jahren?“ Dieser Frage haben sich die „Göttinger Streitgespräche zu Mittelalter und Früher Neuzeit" gewidmet.

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Papst Innozenz III.: Fresko im Kloster San Benedetto in Subiaco (Italien) um 1219.

Quelle: EF

Göttingen. Lege man den umgangssprachlichen Gebrauch von Ökumene im Sinne von konfessionsübergreifend und auf Augenhöhe miteinander an, könne von einem ökumenischen Ereignis nicht die Rede sein, sagte Prof. Martin Ohst, evangelischer Kirchenhistoriker an der Universität Wuppertal. Allerdings, so Ohst, ließen sich Vorformen der Ökumene durchaus nachweisen.

Denn die römisch-katholische Kirche habe gewollt, dass ganze Kirchentümer in die Gemeinschaft zu ihr zurückkehren, und diese ihre gewachsenen Eigentümlichkeiten soweit behalten dürften, soweit sie sich in den dogmatischen, rechtlichen Rahmen der Papstkirche einpassen lassen. So haben denn an dem Konzil auch nur lateinische und keine eigenständigen Patriarchen des Ostens teilgenommen.

Einberufen wurde das Laterankonzil von Papst Innozenz III. Dieser habe das Zitat des Evangelisten Lukas zum letzten Abendmahl (Lukas 22,15) an den Beginn seiner einstündigen Eröffnungsrede gestellt und insgesamt sieben Mal verwendet, erläuterte Prof. Jochen Johrendt, Mittelalterliche Geschichte an der Uni Wuppertal. „Mich hat herzlich verlangt, von diesem Passahlamm mit euch zu essen, ehe ich leide.“

Damit habe Innozenz den Teilnehmern des Konzils verkündet, dass er „um der Reform der Kirche und der Befreiung des Heiligen Landes willens“ bereit sei, den „Kelch des Leides“ zu trinken. Innozenz habe die Worte Jesu zu seinen eigenen Worten an die Konzilsteilnehmer gemacht.

Schließlich begrüßte Prof. Hedwig Röckelein, Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen, die das Streitgespräch geschickt zwischen den Diskutanten moderierte, ihren Kollegen Dr. Dr. Jörg Bölling. Viele der Texte zum Vierten Laterankonzil „bieten eine wesentlich größere Offenheit und Anschlussfähigkeit zur Ökumene als bisher wahrgenommen“, lautete Böllings Hauptargument.

Um eine Kirchenreform voranzubringen, sei es etwa auch darum gegangen, nicht nur Bischöfe partizipieren zu lassen, sondern auch die Ebenen darunter. So habe Innozenz III. auch Konzilien auf Provinzialebene vorgesehen. Ein Vorwurf aus dem Publikum lautete, Ökumene werde hier als „semantische Nebelkerze“ verwendet. Bölling konterte, man solle vielmehr unterscheiden zwischen Quellenbegriffen und Begriffen aus der Forschung, die insgesamt einen Mehrwert bieten.

Von Karola Hoffmann

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