Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen „Göttinger Streitgespräche“ über Probleme bei der Rückgabe von Kunstobjekten
Campus Göttingen „Göttinger Streitgespräche“ über Probleme bei der Rückgabe von Kunstobjekten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 15.07.2018
In der Reihe „Göttinger Streitgespräche“ streiten Prof. Dr. Christoph Zuschlag (Mitte, Kunstgeschichte/Provenienzforschung, Bonn) und Prof. Dr. Antoinette Maget Dominicé (r., Kunstgeschichte, München) unter dem Titel „Provenienzforschung - Fluch oder Segen für unsere Museen?“. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Manfred Luchterhandt (l., Kunstgeschichte, Göttingen). Quelle: Niklas Richter
Anzeige
Göttingen

Zur Einführung ins Thema hat Christoph Zuschlag, Professor der Kunstgeschichte an der Uni Bonn, die Washingtoner Erklärung und deren Folgen für Museen, Sammlungen und Archive erläutert. 44 Staaten hatten sich 1998 dazu verpflichtet, Kunstobjekte, die während der NS-Zeit geraubt oder beschlagnahmt wurden, in ihren Beständen ausfindig zu machen und mit den Eigentümern oder deren Nachfahren eine faire und gerechte Lösung zu finden.

„Die Lösung muss nicht immer die Rückgabe der Objekte bedeuten, sondern kann auch eine Einigung in anderer Form sein“, erklärte Zuschlag. Manche Eigentümer wollten die Objekte nicht zurückhaben, sondern seien mit einer finanziellen Entschädigung einverstanden, sagte Zuschlag. Er vertrat im Streitgespräch die Position, dass mit der Washingtoner Erklärung vor allem eine Aufwertung der Provinienzforschung einhergegangen sei und der Mehrwert in der Erschließung historischer Kontexte liege.

Die Provinienzforschung versuche die „Biografie“ der jeweiligen Objekte möglichst lückenlos aufzustellen und damit nicht nur Rückschlüsse auf Herkunft, sondern auch auf Echtheit zu ziehen. „Wer die Biografie eines Kunstwerkes kennt, sieht es mit anderen Augen“, so Zuschlag.

Zuordnung der Herkunft ist oft schwierig

Seine Streitgespräch-Kontrahentin Antoinette Maget Dominicé, Professorin für Kunstgeschichte in München und Rechtsanwältin, sagte, Provinienzforschung sei in vielerlei Hinsicht ein Fluch für die Museen. Kulturelle Einrichtungen seien in die Rolle der Beweisführung gedrängt worden. Nicht jede Herkunftsgeschichte eines Objektes ließe sich lückenlos erforschen. Manche Objekte seien beispielsweise nicht einem Land, sondern eher einem Kulturkreis zuzuordnen. Da in solchem Fall die Provinienz nicht eindeutig sei, stünden Museen unter moralischem Druck, solche Objekte abzulehnen und damit auch der Forschung zu entziehen.

Andere Güter hätten in der Ursprungsgesellschaft vielleicht nicht den Status eines Kunstwerks und seien bei Rückgabe ebenfalls als Forschungsobjekt verloren. „Wiedergutmachung läuft bisher ohne Maßstäbe, Provinienzforschung erfolgt in einem rechtslosen Rahmen“, sagte Maget Dominicé. Was bei Raubgut aus der NS-Zeit noch eindeutig erscheint, sei nicht zu vergleichen mit beispielsweise der Quadriga von San Marco in Venedig, die vermutlich aus Byzanz stamme. Außerdem stünden die Museen mit wenig Unterstützung alleine da.

Mehr Unterstützung für Museen

Aus den Zuhörerreihen wurde angeregt, die Provinienzforschung als Druckmittel zu nutzen, um zur Bewahrung von Kunstobjekten und Kulturgütern an öffentliche Gelder zu kommen. Auch die Digitalisierung war Thema: Wie relevant sei in Zukunft noch der Ausstellungsort, wenn von überall in der Welt das Kunstwerk besichtigt werden könne? Dazu sagte Zuschlag: „Die Originalität eines Objektes ist digital nicht erfahrbar.“ Dennoch waren sich die Fachleute einig, dass dank der Digitalisierung Kunst, Kulturgut, Inhalte in Archiven und Bibliotheken, in einem viel größeren Rahmen zugänglich seien als noch vor einigen Jahren.

Schließlich standen Forderungen im Raum: Museen müssten besser von politischer Seite unterstützt werden, sollten aber nicht von der Pflicht entbunden werden, sich mit der Herkunft der Objekte auseinanderzusetzen. Provinienzen müssten individueller beurteilt werden.

Von Claudia Nachtwey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit einem sogenannten Cochlea Implantat konnten Taube bisher wieder hören, wenn auch einge­schränkt. Wissenschaftler der Uni­versitätsmedizin Göttingen haben in Tierversuchen eine Methode entwickelt, künftig die­ses Hören zu verbes­sern. Sie stimulieren den Hörnerv nicht mit Strom, sondern mit Licht.

14.07.2018
Göttingen TU Clausthal / Sichuan-Uni chengdu - 20 Millionen Euro für innovatives Hochschulkolleg

Die Präsidenten der Technischen Universität Clausthal und der Sichuan-Universität im chinesischen Chengdu haben Verträge für ein innovatives Bildungsprojekt unterzeichnet: In das Chinesisch-Deutsche-Internationale Hochschulkolleg (CDIHK) sollen 20 Millionen Euro investiert werden.

14.07.2018

Der allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Göttingen lädt zum Campusfestival ein: Am Freitag, 13. Juli um 12 Uhr beginnt das „Festival der Vielfalt“ auf dem Gelände des Zentralcampus.

11.07.2018
Anzeige