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Göttinger Studie: Mäuse-Sprache benötigt kein Großhirn

Nager sind für Erforschung des vokalen Lernens nicht geeignet Göttinger Studie: Mäuse-Sprache benötigt kein Großhirn

Eine der größten Fragen der menschlichen Evolution ist die Entstehung der Sprache. Menschen können Wörter nachahmen und lernen, sie auf bestimmte Weise situationsgerecht zu gebrauchen. Dazu sind höhere Hirnfunktionen notwendig, die in der Großhirnrinde angesiedelt sind. Es gibt zahlreiche Studien an Singvögeln, Fledermäusen und zunehmend auch an Mäusen, die sich mit den Grundlagen des vokalen Lernens beschäftigen. Allerdings sind gerade die Studien an Mäusen widersprüchlich.

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Quelle: dpa

Göttingen. Es war bislang umstritten, ob Mäuse überhaupt in der Lage sind, ihre Lautäußerungen aufgrund von Nachahmung oder Lernen zu verändern. Prof. Julia Fischer und Dr. Kurt Hammerschmidt vom Deutschen Primatenzentrum haben daher mit Prof. Gregor Eichele und Dr. Gabriela Whelan vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie die Ultraschall-Laute von Mäusen untersucht, die aufgrund eines Gendefekts kein Großhirn besitzen und diese mit den Lauten der Wurfgeschwister mit normalem Gehirn verglichen.

Die Forscher konzentrierten sich auf zwei charakteristische Lautäußerungen der Mäuse. Zum einen waren dies die sogenannten Isolationsrufe, die junge Mäuse ausstoßen, wenn sie von der Mutter getrennt werden. Da schon neun Tage alte Mäuse diese Rufe produzieren, obwohl sie zu der Zeit noch gar nicht hören können, waren Fischer und ihre Kollegen nicht überrascht, dass sich die Rufe der Mäuse ohne Großhirn nicht von denen der normalen Mäuse unterschieden. Anders sah die Situation bei den älteren männlichen Mäusen aus, die bei der Werbung um Weibchen bestimmte Ultraschall-Laute produzieren. Dass sich auch hier weder die Häufigkeit der Rufe noch die akustische Qualität von Mäusen mit und ohne Großhirnrinde unterschieden, hatten die Wissenschaftler so nicht erwartet.

Julia Fischer. EF

Julia Fischer. EF

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„Die Lautäußerungen der Mäuse werden offensichtlich von evolutiv älteren Hirnbereichen kontrolliert“, sagt Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutschen Primatenzentrum. Das Großhirn ist anders als beim Menschen nicht notwendig für die stimmliche Kommunikation der Mäuse. „Mäuse sind daher weniger gut geeignet, um die Mechanismen des Erlernens von Sprache zu erforschen“, so das Fazit der Wissenschaftlerin. Allerdings seien sie dennoch wertvolle Modelle, um die genetischen Grundlagen von Sozialverhalten besser zu verstehen. jes/eb

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