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Göttingen Studierende betreuen verhaltensauffällige Schüler
Campus Göttingen Studierende betreuen verhaltensauffällige Schüler
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21:01 16.04.2018
Kommen einmal in der Woche in die Schule: Julia Rust, Elisabeth Fechner, Clara Meigen, Supervisorin Irmgard Schuster und Torben Müller (von links). Quelle: Caspar Michael
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Göttingen

„Manche der Kinder können sich nicht konzentrieren, weinen viel, finden sich nicht in die Klassengemeinschaft ein oder sind aggressiv“, berichtet Schuster, die die jeweils 20 bis 40 Studierenden als Supervisorin unterstützt. Die Studierenden sollten sich mindestens ein Schuljahr lang Zeit für die Kinder nehmen. Die Universität rechne ihnen das als Praktikum an.

Aufgabe für die Schüler: Kontrolle von Aggressionen lernen

Der 22-jährige Psychologiestudent Torben Müller spielt mit den drei Erst- und Zweitklässlern, die er betreut, viel Fußball. Einer der Jungen habe Mühe, seine Aggressionen zu kontrollieren, erzählt er. Konflikte nähmen bei ihm schnell einen dramatischen Verlauf. Er liebe Piratenspiele, bei denen ihm ein Stock als Säbel diene. Anfangs habe es ihm großen Spaß gemacht, seinen Betreuer zu „köpfen“. Mittlerweile mache er auch Kooperationsangebote.

Um einen schweigsamen Erstklässler, der kaum Blickkontakt hält und im Unterricht schnell in Tränen ausbricht, kümmert sich die 20-jährige Psychologiestudentin Clara Meigen. „Der Junge ist schnell überfordert und verliert dann die Fassung“, erzählt Meigen. Im Laufe der Treffen habe er gelernt, dass er langsam sein dürfe und nicht immer alles schaffen müsse. Heute erzähle er gerne.

Häufiges Problem bei Schülern: Hänseleien wegen Übergewicht

Mit einer Sechstklässlerin, die von Klassenkameraden wegen ihres Übergewichts gehänselt wird, trifft sich die 22-jährige Soziologiestudentin Julia Rust, die auch Vorsitzende des Pakiju-Vereins ist. Durch die Treffen habe das Mädchen an Selbstbewusstsein gewonnen und sehe sich nun gerne im Spiegel an. „Da bin ich mit mir selbst viel kritischer“, amüsiert sich Rust.

Für eine Drittklässlerin, die sich nichts zutraut und in der Schule kaum Leistung bringt, ist Elisabeth Fechner (19) zuständig. Sie würden viel malen, sagt sie. Am Anfang habe das Mädchen an der großen Tafel immer nur eine kleine Ecke bemalt. Mittlerweile nehme sie die Hälfte der Tafel in Beschlag. Da die Schülerin auch gerne tanze, machten sie das oft in der Sporthalle.

Konzept von Pakiju basiert auf Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers

„Das Konzept von Pakiju basiert auf der Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers“, sagt Supervisorin Schuster. Die entsprechende Theorie vermittele sie den Studierenden, die aus allen Fachrichtungen kämen, während eines zweitägigen Seminars. Während der wöchentlich anderthalbstündigen Supervision würden die Kenntnisse am Beispiel von drei, vier von den Betreuern vorgestellten Fällen vertieft. Außerdem gebe es jährliche Selbsterfahrungstreffen für die Studierenden.

„Unser 2003 gegründeter Verein ist aus einem Projekt der Katholischen Hochschulgemeinde hervorgegangen“, berichtet Schuster. „Wir haben 50 Mitglieder“, ergänzt die Vorsitzende Rust. Die meisten seien Studierende, die als Betreuer aktiv seien.

Das nächste Pakiju-Einführungsseminar ist am Sonnabend und Sonntag, 21. und 22. April. Infos: pakiju.de.

Von Michael Caspar

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