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Göttingen Göttinger Wissenschaftler Tobias Moser erhält Leibniz-Preis
Campus Göttingen Göttinger Wissenschaftler Tobias Moser erhält Leibniz-Preis
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21:16 11.12.2014
Von Christiane Böhm
Tobias Moser. Quelle: Archivfoto
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Göttingen

Alle wollten gratulieren. Mit Müh und Not, so Moser, konnte er seine Besprechung noch beenden.  

Moser ist einer der Preisträger des wichtigsten deutschen Forschungsförderpreises, des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Der Preis ist mit 2,5 Millionen Euro für bis zu sieben Jahre dotiert. Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am Mittwoch in Bonn acht Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2015 zuerkannt.

Sie waren zuvor vom zuständigen Nominierungsausschuss aus 136 Vorschlägen ausgewählt worden.

Eine riesengroße Ehre sei die Auszeichnung für ihn, so Moser und eine besondere Wahrnehmung des Forschungsfeldes. 20 Prozent der Deutschen haben Hörprobleme. Grundlagenforschung über das Hören sei immens wichtig. „Es gibt immer noch so viel zu verstehen“.

Die Synapsen im Innenohr und die Physiologie und Pathophysiologie des Innenohrs – Moser ist einer der weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet. In jüngster Zeit ist es ihm und seinen Mitarbeitern gelungen, die Werkzeuge der Optogenetik zu nutzen, um die Fasern des Hörnervs optisch zu reizen. Dieser Befund verspricht immense Verbesserungen in einer neu zu entwickelnden Generation von Innenohrimplantaten.

„Ribbon-Synapse“

Mosers Hauptinteresse gilt den Haarsinneszellen im Innenohr, deren Verlust jeder Mensch ab einem gewissen Alter erleidet und der zu erheblichen Einschränkungen in der Kommunikation mit Mitmenschen führen kann. Bei der Erforschung dieser elektrophysiologisch, molekularbiologisch und mechanisch höchst komplexen und zudem schwer zugänglichen Zellen verband Moser anspruchsvolle Grundlagenforschung und klinische Praxis.

Besondere Bedeutung haben dabei seine Arbeiten zur Synapse der inneren Haarsinneszellen, der „Ribbon-Synapse“. Diese ist, wie Moser entschlüsseln konnte, für die synchrone Aktivität der Hörnerven verantwortlich und damit die Grundlage für die Wahrnehmung der Tonhöhen und für die Schalllokalisation.

Auf diese Weise konnte Moser auch zeigen, wie es möglich ist, mit Milli- und teilweise Mikrosekunden-Genauigkeit akustische in bioelektrische Signale umzusetzen. Moser entwickelte mit optischen Stimulationen im Innenohr eine Alternative zur derzeit gebräuchlichen elektrischen Stimulation durch Cochlea-Implantate, der eine große Zukunft prognostiziert wird.

Tolles Umfeld

Damit sei der Bogen von der Hörforschung zur möglichen Behandlung von Schwerhörigkeit gegeben. Sicher auch ein Grund, warum ihm jetzt der Leibniz-Preis zuerkannt wurde, glaubt Moser.

Gerade für den Bereich der Optogenetik sieht Moser nun die Möglichkeit mit den Mitteln des Preise eingehender zu forschen. Methodisch breiter wolle er nun vieles angehen. „Die richtigen Viren“ für seine Forschung herstellen und mit Zebrafischen als Labortieren statt mit Mäusen arbeiten.

Vor allem aber wolle er mit dem Preisgeld jungen Forschern helfen, ihre Projekte zu verwirklichen, bis sie selbst ausreichende Förderung bekommen. Er selbst habe das damals als junger Mann bei Erwin Neher erfahren. „Als ich gesagt habe, ich will mir jetzt mal die Haarzellen anschauen, war er zwar verwundert“, erzählt Moser. Aber er habe ihn unterstützt und er konnte in einem tollen Umfeld arbeiten.

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen.

Er ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Forscher zu erleichtern.

Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Millionen Euro verliehen werden. Die Förderung wird nur auf Vorschlag Dritter gewährt.  Unter den Preisträgern waren in den vergangenen Jahren einige Göttinger: Nach dem Physiker Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie im Jahr 2008, dem Germanisten Heinrich Detering von der Georg-August-Universität 2009 folgte 2010 Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum.

Geboren 1968, studierte Tobias Moser Medizin in Leipzig und Erfurt. Er wurde mit einer im Göttinger Labor des Leibniz- und Nobelpreisträgers Erwin Neher angefertigten Arbeit promoviert. In Nehers Abteilung am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie blieb er auch danach als Postdoktorand und Nachwuchsgruppenleiter.

Parallel dazu begann er eine Facharztausbildung an der Universität Göttingen, an deren Universitätsklinikum er seit 2001 eine eigene Arbeitsgruppe, das „InnerEarLab“ leitet. Nach der Habilitation in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 2003 wurde er 2005 zum Professor ernannt und hat seit 2007 einen eigenen Lehrstuhl inne.

Nachdem er mehrere Rufe aus Deutschland und den USA abgelehnt hat, baut Moser aktuell in Göttingen ein neues Institut für Auditorische Neurowissenschaften auf. Ebenso ist er Sprecher des seit 2011 geförderten Göttinger Sonderforschungsbereichs (SFB) „Zelluläre Mechanismen Sensorischer Verarbeitung“.

Die anderen Preisträger sind

  • Prof. Henry N. Chapman, Universität Hamburg
  • Prof. Hendrik Dietz, Technische Universität München
  • Prof. Stefan Grimme, Universität Bonn
  • Prof. Christian Hertweck, Universität Jena
  • Prof. Friedrich Lenger, Universität Gießen
  • Prof. Hartmut Leppin, Universität Frankfurt/Main
  • Prof. Steffen Martus, Humboldt-Universität zu Berlin
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