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Göttingen Göttinger Wissenschaftler entwickeln exakten Pferdefleischtest
Campus Göttingen Göttinger Wissenschaftler entwickeln exakten Pferdefleischtest
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17:36 30.04.2013
Test auf Pferdefleisch in Lebensmitteln: Claudia Floren und Isabel Wiedemann (rechts) bereiten Proben im Tierärztlichen Institut vor. Quelle: Vetter
Göttingen

Bisher war es lediglich möglich, die grundsätzliche Verunreinigung einer Probe durch Pferdefleisch festzustellen, ohne Hinweis auf die exakte Menge.

„Die Fragestellung der Beimengung von Lebensmitteln verschiedener Ursprünge beschäftigt uns schon länger“, sagt Brenig, Direktor des Tierärztlichen Instituts. Bei der aktuellen Kenntnis über Beigaben von Pferdefleisch in Lebensmitteln, habe es sich angeboten, einen Test zu diesem Fleisch anzubieten. Dazu stehe das Institut auch mit dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (Laves) in Verbindung, so Brenig.

Mit der hoch präzisen Methode lässt sich die Menge von Pferdefleisch bei einer Beimischung von nur 0,1 Promille mit hoher Genauigkeit bestimmen. Eine derart genaue Analyse ist notwendig, um tatsächlich beigefügtes Pferdefleisch von Spuren, die nicht relevant sind und beispielsweise während der Verarbeitung eingebracht wurden, zu unterscheiden.

Die Methode, die ebenfalls in der Tumordiagnostik angewendet wird, ist nach Angaben von Brenig auch zur Bestimmung anderer Substanzen einsetzbar. So könne auch Schweinefleisch nachgewiesen werden.

Die Göttinger Wissenschaftler nutzen bei der Bestimmung einen „Bio-Rad QX100“ – ein Gerät, von dem in Deutschland zurzeit weniger als zehn betrieben werden. Mithilfe einer neuen molekularbiologischen Technik wird die Lebensmittelprobe in etwa 20   000 mikroskopisch kleine Tröpfchen zerteilt.

Jedes dieser Tröpfchen wird parallel auf Spuren von Pferde-DNA untersucht – die große Zahl der einzelnen Reaktionen ermöglicht ein äußerst präzises Ergebnis. Veterinärmediziner Brenig ist überzeugt: „Das Verfahren ist genial gut.“

Der Test wird am Zentrum für Molekulare Diagnostik der Universität Göttingen durchgeführt und steht allen Interessierten zur Verfügung. Für die Analyse werden zwei Tage benötigt: Die DNA wird isoliert, verdünnt und dann bestimmt. Je mehr Tröpfchen das zu suchende Merkmal aufweisen, umso höher ist dessen Anteil.

Und deshalb gibt der Test Sicherheit für die Deklaration von Lebensmitteln. Für die eingesetzte molekularbiologische Technik wird das nach Ansicht von Brenig ein wichtiger Einsatzbereich werden. Das Tierärztlichen Institut hat bisher keine Test für die Lebensmittelindustrie vorgenommen. „Das Verfahren ist so aktuell, dass wir noch keine Anfragen haben“, sagt Brenig.

Weitere Infos auf den Seiten des Tierärztlichen Institus der Universität Göttingen. 

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