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Göttinger Wissenschaftler kritisiert Szenarien über den demografischen Wandel

Entvölkerte Dörfer Göttinger Wissenschaftler kritisiert Szenarien über den demografischen Wandel

Immer neue Schlagzeilen und Berichte über den Bevölkerungsrückgang auf dem Land beschleunigen nach Ansicht des Göttinger Wissenschaftlers Ulrich Harteisen die Entsiedelung von Dörfern und Regionen.

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Leben auf dem Land.

Quelle: dpa

Göttingen. „Die Situation, die wir im Moment erleben, ist zum Teil dadurch gekennzeichnet, dass eine Art Untergangsstimmung im Vordergrund steht“, sagte der Professor für Regionalmanagement von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK).

Anders als in der Öffentlichkeit wahrgenommen gebe es die einfache Zweiteilung „Stadt ist immer positiv“ und „Land ist immer negativ“ nicht, sagte Harteisen, der am 2. Juni Referent beim Zweiten Demografiekongress der Landesregierung ist. Neben Regierungschef Stephan Weil wird sich auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (beide SPD) zum demografischen Wandel in Deutschland äußern. Laut einer Prognose werden Niedersachsens Einwohner immer weniger – und das auch noch besonders in ohnehin schon schwachen Regionen. Vor allem das Leine- und Weserbergland sowie der westliche Harz, Lüchow-Dannenberg und die Gegend um den Jadebusen sind betroffen. Laut der Prognose der NBank verliert Niedersachsen bis 2035 rund 370 000 Einwohner, ein Rückgang von knapp 5 Prozent.

„Der Verlust von Einwohnern im ländlichen Raum ist in vollem Gange. Das ist sicher Fakt, hat aber damit zu tun, dass die Bevölkerungszahl insgesamt zurückgeht. Für Niedersachsen geht es um Hunderttausende, in der Bundesrepublik geht es um Millionen Menschen“, sagte Harteisen. Der 52-Jährige wies darauf hin, dass es Versuche gebe, die Abwanderung aus dem ländlichen Raum zu stoppen. „Jetzt gibt es zaghaft wieder erste Ansätze, wo Existenzgründer, die global ihre Waren verkaufen, ganz bewusst zurück aufs Land gehen. Weil dort etwa Immobilien günstiger sind. Wichtig ist da aber, dass es schnelles Internet gibt.“

Harteisen beklagte, dass zu wenig getan worden sei, um die negative Entwicklung zu stoppen: „Man diskutiert den demografischen Wandel seit mehr als 30 Jahren und hat zu wenig unternommen. Jetzt ist es in einigen Regionen bereits fünf nach zwölf.“ Dennoch gebe es keinen Grund zur Panik. „Es wird nicht zu einer ganz schnellen Entsiedelung ländlicher Räume kommen. Es gibt immer noch viele Menschen, die sagen, ich will in meinem Dorf bleiben und dort auch alt werden.“

dpa

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