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Göttinger Wissenschaftler untersuchen antike Stadt Kamarina

Fundstücke im Hinterland Göttinger Wissenschaftler untersuchen antike Stadt Kamarina

Ein Hügel am Meer, von zwei Flüssen umgeben: So sah für die griechischen Kolonisten der Antike ein idealer Siedlungsplatz aus. Die Anhöhe bot Schutz gegen Feinde. An den Flussufern ließen sich Schiffe an Land ziehen.

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Geomagnetik: Systematische Suche nach verdeckten antiken Strukturen unter der Oberfläche.

Quelle: pug

Göttingen. An einem solchen Ort im Süden Siziliens gründeten Griechen aus Syrakus 599 vor Christus, in archaischer Zeit, die Stadt Kamarina, berichtet der Göttinger Archäologie-Professor Johannes Bergemann. Er präsentierte während der Archäologischen Ringvorlesung Ergebnisse eines Forschungsaufenthalts im Vorjahr.

„Die Stadt Kamarina ist im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach zerstört worden“, weiß der Wissenschaftler: 553 und 484 vor Christus durch Syrakus, weil die Stadt nach Unabhängigkeit strebte; 405 vor Christus durch das nordafrikanische Kathargo, das sich Sizilien unterwerfen wollte; und 258 vor Christus schließlich durch die Römer. Am besten bekannt ist die Struktur der Stadt aus klassischer Zeit, aus dem 5. und 4. vorchristlichen Jahrhundert, sagt Bergemann. Ihre Gebäude und Straßen bedecken die Siedlungsreste aus der archaischen Periode.

Der Archäologe und sein Team befassen sich zur Zeit vor allem mit dem Hinterland. „Die Literatur nennt archäologische Fundorte, darunter verschiedene Bauerngehöfte sowie zwei Nekropolen“, erzählt Bergemann. Die Göttinger vermaßen das Gelände mit moderner Technik und erkundeten die Flussläufe bis zum Bergland, das jenseits des schmalen Küstenstreifens aufsteigt. Dort entdeckten sie Fundstücke aus römischer Zeit.

„Die Bilder sind schwer verständlich“

„Die antiken Gebäude in der Nähe der Stadt sind alle gleich ausgerichtet“, führt der Professor aus. Das deutet auf eine einheitliche Aufteilung des Landes hin. Bei den weiter entfernten Gebäuden ist die Ausrichtung dagegen aus unbekannten Gründen um ein paar Grad verschoben. Um mehr über das Hinterland zu erfahren, setzen die Göttinger auch auf geologische Verfahren. Dr. Jens Schneeweiß suchte nach Magnetfeldanomalien, die durch Metalle, gebrannte Keramik oder archäologische Strukturen im Untergrund verursacht werden: „Zum Messgerät gehören fünf Sondern, die auf einem zwei Meter breiten Kunststoffgestell befestigt sind.“

Mit dem Gerät ging Schneeweiß die zu untersuchenden Flächen ab. „Die Bilder sind schwer verständlich“, räumt er ein. Am besten zu erkennen sind Fahrspuren von Quads, mit denen Touristen dort umherfahren. Schneeweiß: „Auf archäologische Fundstätten deuten unscheinbare Schatten hin.“ Dort führte er Bohrungen durch. Der steinige Kalkboden liegt an diesen Stellen tiefer, was auf verfüllte Gruben deutet. Das scheint eine Scherbe aus dem 6. Jahrhundert zu bestätigen, die der Archäologie beim Bohren fand.

Geograf Dr. Stefan Erasmi unterstützte Bergemanns Team durch Auswertung von Satellitenbildern. So lassen sich Strukturen in der Landschaft erkennen, die am Boden verborgen bleiben. Allerdings sind die Bilder vieldeutig. Kreise, die sich auf Kornfeldern abzeichnen, können zum Beispiel durch Pilze hervorgerufen werden. Erasmi will in einem nächsten Schritt mit Daten der TandemX-Mission arbeiten, die mittels Radar gewonnen werden. So lässt sich auch einige Zentimeter tief in den Boden schauen.

Von Michael Caspar

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