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Weniger Nahrung, schnelleres Wachstum

Stress bei Affenmüttern Weniger Nahrung, schnelleres Wachstum

Erstmals haben Verhaltensökologen in freier Wildbahn den Einfluss von mütterlichem Stress auf Affenbabys untersucht. Sie stellten fest, dass Tiere von durch Nahrungsknappheit gestressten Müttern schneller wuchsen. Der Nachwuchs bezahlte dies mit einer langsameren Entwicklung der motorischen Fähigkeiten.

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Im immergrünen Bergwald Thailands wird ein Assammakakenjunges von der Mutter gesäugt.

Quelle: Andreas Berghänel

Göttingen. Forscher des Deutschen Primatenzentrums - Leibniz-Institut für Primatenforschung (DPZ) und der Universität Göttingen folgten an ihrer Feldstation in Thailand Affenmüttern durch die Schwangerschaft und deren Jungen über ihre ersten anderthalb Lebensjahre. Dies ist die erste Studie zu den Auswirkungen von vorgeburtlichem Stress bei einem langlebigen Säugetier in seinem natürlichen Lebensraum.

Das Wissen um den oft sehr langfristigen Einfluss von mütterlichem Stress auf das Ungeborene ist schon alt. Mediziner und Biologen diskutieren aber noch, ob diese mütterliche Einflussnahme generell als Pathologie zu verstehen ist, oder ob sie vielmehr als ein evolvierter Anpassungsmechanismus zu begreifen ist. Können also Mütter ihren Nachwuchs im Uterus so umprogrammieren, dass er später besser dasteht?

Der physiologische Stress, der durch einen natürlich vorkommenden Nahrungsmangel zustande kam, schien bei den jungen Makaken ein beschleunigtes Wachstum hervorzurufen. Das ergab die Zusammenschau von Daten zum Fruchtverhalten der wichtigsten Nahrungsbäume, den aus Kot ermittelten Hormonspiegeln der Mütter und den aus vielen hundert Fotos ermittelten Wachstumskurven junger Assam-Makaken im nordöstlichen Bergwald Thailands.

Das Wachstum von Säugern steht in der Regel in engem Zusammenhang mit wichtigen Meilensteinen der Entwicklung. Der Erstautor der Studie, Andreas Berghänel, erklärt: „Eine verkürzte Lebenserwartung durch vorgeburtliche Entwicklungsstörungen führt hier zu einem beschleunigten Lebenszyklus. Der Nachwuchs wächst schneller und wird schneller geschlechtsreif, um selbst früher und schneller Nachwuchs zu erzeugen.“ Auch beim Menschen findet sich im Zusammenhang mit einer gestörten Frühentwicklung häufig eine vorverlagerte Geschlechtsreife. Julia Ostner, die Leiterin des Feldprojektes, ist trotzdem überrascht: „Die Beschleunigung des Lebenszyklus ist erstaunlich. Wir hatten eher damit gerechnet, dass die schlechten Bedingungen während der Tragzeit ausschließlich negative Folgen für die Jungen haben.“

Und tatsächlich ist das beschleunigte Wachstum nur eine der Folgen von verringerter Nahrungsverfügbarkeit und erhöhten Glucocorticoidspiegeln, denn Junge, die diesen Bedingungen ausgesetzt waren, zeigten auch eine verzögerte motorische Entwicklung.r

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