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Göttingen Wer am meisten bietet, darf einziehen
Campus Göttingen Wer am meisten bietet, darf einziehen
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10:00 26.09.2016
Quelle: r
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Göttingen

Das Angebot klang für Volker A. (Name der Redaktion bekannt) verlockend: Innenstadt, 22 Quadratmeter, ein Zimmer, Küche Bad, 400 Euro plus Stromkosten, hieß es in der Anzeige. Kein Schnäppchen zwar, aber gerade noch akzeptabel. Und weil der Vermieter sich einen persönlichen Eindruck verschaffen wollte, legte er A. eine Besichtigung nahe. Für den Termin verschiebt A. andere Termine und scheut die 300 Kilometer Anfahrt nicht. "Wir haben die Wohnung mit mehreren Interessenten besichtigt und uns ist mitgeteilt worden, dass die Entscheidung am Folgetag erfolgt", schildert A. 

 

Der Vermieter schreibt in einer E-Mail an die Interessenten: "Die Entscheidung ist sehr schwer, wäre subjektiv oder ein Glückslos, Ich habe mich für den kaufmännischen Weg entschieden, die Wohnung entsprechend Nachfrage beziehungsweise Ihrem Angebot zu vergeben. Bitte senden Sie mir also eine Mail, in der Sie die Wohnung und den von Ihnen angeboten Mietpreis nennen."

 

"Der ohnehin schon hohe Mietpreis für Studenten wird weiter steigen", vermutet A. angesichts solcher Versteigerungen. Hätte er von diesem Verfahren gewusst, hätte er von einer Besichtigung abgesehen, sagt A.

 

"Gängige Praxis ist so etwas zum Glück noch nicht, aber leider auch nicht ganz ungewöhnlich", sagt Cornelius Blessin, Vorstand und Rechtsberater beim Deutschen Mieterschutzbund Göttingen. Aus seiner Beratungstätigkeit in Göttingen sei ihm so ein Fall schon bekannt. "Rechtlich zulässig ist das wohl, wir haben Vertragsfreiheit", sagt Blessin.

 

"Rein theoretisch könnte eine Mietpreisbremse so etwas verhindern", erklärt Blessin. Noch fehlt in Niedersachsen dieses Instrument. In diesem Herbst soll in 19 niedersächsischen Kommunen, darunter Göttingen, die Mietpreisbremse aber eingeführt werden. Das Landeskabinett hatte noch vor der Sommerpause den Entwurf einer „Mieterschutzverordnung“ beschlossen.

 

Die Göttinger Verwaltung stimmt der Einführung einer Mietpreisbremse zu. So teile sie die Einschätzung der "Analyse zur Festlegung der Gebietskulisse für eine Mietbegrenzungsverordnung in Niedersachsen", wonach in Göttingen ein aktuell und zukünftig sehr angespannter Wohnungsmarkt bestehe und überdurchschnittlich stark steigende Mieten vorlägen, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Allerdings stuft die Verwaltung die Wirkung einer Mietpreisbremse auf Göttinger Mieten als gering ein. Sie sei aber ein "öffentliches Signal an die Göttinger Wohnungsmarktakteure" und könne "mietpreisdämpfend" wirken.

 

"Ohne Mietspiegel kann niemand halbwegs zuverlässig beurteilen, ob eine Miete nun zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegt oder nicht", räumt Blessin ein. Einen Mietspiegel gibt es derzeit für Göttingen nicht.

Mietpreisbremse

Mit einer Mietpreisbremse darf bei der Wiedervermietung von Wohnraum die neue Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Dies gilt nicht für Vermietungen von Wohnungen, die nach dem 1. Oktober 2014 erstmals vermietet wurden, schränkt das niedersächsische Sozialministerium ein. Bei bestehenden Mietverhältnissen darf die Miete innerhalb von drei Jahren nicht um mehr als 15 Prozent bis zur Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden. Die vom Gesetzgeber vorgegebenen Kriterien für die Ausweisung von Gebieten, in denen die Mietpreisbremse eingeführt wird, sind erfüllt, wenn: 

  • die Mieten deutlich stärker steigen als im bundesweiten Durchschnitt,
  • die durchschnittliche Mietbelastung der Haushalt den bundesweiten Durchschnitt deutlich übersteigt,
  • die Bevölkerung wächst, ohne dass entsprechend neuer Wohnraum bereitsteht oder
  • geringer Leerstand bei großer Nachfrage besteht.

Welche Erfahrungen habt Ihr bei der Wohnungssuche gemacht? Welche Spielchen der Vermieter sind euch begegnet? Was habt ihr bei der Suche mit den Vermietern erlebt? Schreibt uns eure Erlebnisse. Hier bei Facebook oder per E-Mail an lokales@goettinger-tageblatt.de

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