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Göttingen Menschenaffen mit Intuition
Campus Göttingen Menschenaffen mit Intuition
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16:00 26.06.2018
Kalema und Eddie, zwei der Versuchsteilnehmer auf Ngamba Island, Uganda Quelle: Johanna Eckert
Göttingen

Ein internationales Forscherteam der Universität Göttingen, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der schottischen University of St. Andrews haben damit belegt, dass auch Menschenaffen intuitive Statistiker sind. Die Studie dazu ist in der Fachzeitschrift Current Biology erschienen, teilte die Universität Göttingen am Dienstag weiter mit.

Lieber Erdnüsse als Möhren

Ausgangsüberlegung des zugrunde liegenden Versuchsreihe: Menschenaffen mögen Erdnüsse deutlich lieber als Karotten. In einer Auffangstation in Uganda stellten die Forscher Schimpansen vor die Wahl, aus welcher von zwei Futtermischungen sie eine Kostprobe haben wollten: Eine der Mischungen bestand aus 200 Erdnüssen und 20 Karottenstückchen, bei der anderen war das Mischungsverhältnis umgekehrt. Doch vor ihrer Auswahl mussten die Schimpansen Menschen beobachten, die ebenfalls Kostproben entnahmen – einmal gezielt, also mit Blick auf die Futtermischung, das andere Mal blind.

„Wählten die Menschen gezielt Erdnüsse oder Karotten aus“, erläutert Erstautorin Johanna Eckert vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie die Ergebnisse der Untersuchungsreihe, „ignorierten die Schimpansen die Proportionen und entschieden sich für die Stichprobe des Forschers mit der gleichen Vorliebe wie sie selbst. Wählten die Menschen aber blind, änderten die Affen ihr Verhalten und bevorzugten das bessere Mengenverhältnis.“

Unterscheidung zwischen wahrscheinlich und unwahrscheinlich

Bemerkenswerterweise bevorzugten die Affen die Wahl der Experimentatoren nur dann, wenn die gezogenen Stichproben wiederholt nicht repräsentativ für das Mischverhältnis waren, zum Beispiel nur Erdnüsse aus der Karottenmischung gezogen wurden - nicht aber, wenn sie den statistischen Wahrscheinlichkeiten entsprach, also beispielsweise nur Erdnüsse aus der Erdnussmischung. „Unsere Studie zeigt, dass Schimpansen ähnlich wie Kleinkinder bei statistischen Schlussfolgerungen sowohl Proportionen als auch Bedingungen der Probenentnahme beobachten“, erklärt Eckert das Ergebnis der Untersuchungen weiter. „Das lässt darauf schließen, dass intuitive Statistik eine evolutionär alte Fähigkeit ist, die wir mit unseren nächsten lebenden Verwandten teilen.“

Seit längerem ist bekannt, dass Schimpansen Vorstellungen von Zahlen und Zahlenreihenfolgen haben. Außerdem sind sie in der Lage, sich durch spontane Planung auf künftige Ereignisse einzustellen. Außerdem sind Schimpansen zu sozialem Lernen fähig: Verschiedene Gruppen der Menschenaffen lösen dasselbe Problem auf unterschiedliche Art und geben diese Kenntnisse untereinander weiter. Dieses Vorgehen ist dann nicht durch Versuch und Irrtum geprägt.

Von Matthias Heinzel

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