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Götz Werner spricht über das Geheimnis des Gelingens

Nicht Know-how, sondern Know-why sorgt für Erfolg Götz Werner spricht über das Geheimnis des Gelingens

Warum scheitern manche Unternehmen, die jahrelang in ihrem Marktsegment führend waren? Für Götz Werner (67), der in den vergangenen 38 Jahren die Drogeriemarktkette dm aufgebaut hat, ist die Antwort klar: „Die Probleme von heute lassen sich mit dem Denken von gestern nicht lösen.“

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Viele Unternehmer lassen sich durch falsche Begriffe vom Wesentlichen ablenken: Götz Werner.

Quelle: CR

Gerade wer Erfolg habe, stelle sich nicht mehr in Frage. Die Welt verändere sich aber stetig. Alte Erfolgsrezepte produzierten mit einem Mal Misserfolge. Viele Unternehmer säßen in einem „Erfahrungsgefängnis“. Sie würden ihr Geschäft nicht mehr täglich neu erfinden.

„In den meisten Besprechungen“, so Werner, „geht es darum, wie man etwas macht.“ Viel wichtiger sei aber die Frage nach dem Warum. Statt Know-how (gewusst wie) fordere er in seinem Unternehmen Know-why (gewusst warum) ein. Erfolg habe, wer seine Kunden und Mitarbeiter begeistere. Die Frage, wie man das erreiche, sei „schweißtreibend“. Sie schaffe aber im Unternehmen ein anderes Bewusstsein. Routine komme da nicht auf.

Der Unternehmer klagt über die „vielen falschen Begriffe“, die heute Verwendung fänden. Auf „mephistophelische Art“ lenkten sie die Menschen vom Wesentlichen ab. So sei zum Beispiel in seiner Branche viel von „Kundenbindung“ die Rede. Dabei lasse sich niemand gerne binden. Werner spricht stattdessen davon, dass er sich mit seinen Kunden verbinden wolle. Auch mit dem Wort „Auszubildender“ hat er Probleme. Ein Auszubildender sei jemand, mit dem etwas gemacht werde. Der junge Mensch solle sich aber das Wissen selbst aneignen. So stellt Werners Drogeriemarktkette nur noch „Lernlinge“ ein.

Wütend macht Werner der Begriff Personalkosten. Sarkastisch imitiert er Manager: „Die Personalkosten sind zu hoch und drücken das Ergebnis.“ Werners Kommentar: „Ich stelle doch niemanden ein, um die Kosten zu erhöhen, sondern weil Arbeit da ist. Ohne die Kollegen würde es überhaupt kein Ergebnis geben.“ Die Aufgabe des Unternehmers bestehe darin, die Menschen so einzusetzen, dass sie produktiv tätig sein könnten.

Ein Problem hat der 67-Jährige mit der Maxime „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, nach der viele Manager Firmen führten. Der Unternehmer: „Ich habe 28 000 Kollegen. Soviele Kameras kann ich gar nicht aufstellen.“ Er wirbt für „Zutrauen“ in die Beschäftigten, aus dem dann Vertrauen wachse.

Auch mit der Politik geht Werner ins Gericht. Er spottet über „schwachsinnige“ Wahlkampfslogans wie „Sozial ist, was Arbeit schafft“ oder „Arbeit sichern“. Sein Kommentar: „Überlegen Sie doch mal selbst. Wenn Sie ein Haus bauen, wollen Sie die Arbeit doch nicht schaffen oder sichern, sondern erledigen.“ Seiner Meinung nach sollte der Staat jedem Bürger ohne Bedingungen ein Grundeinkommen zur Verfügung stellen. Dem Anthroposophen Werner, der diese Idee von Rudolf Steiner übernommen hat, ist es ernst damit. Ein Einkommen sei die Voraussetzung dafür, dass überhaupt jemand arbeiten könne. Er rechne auch nicht damit, dass dann alle faul auf dem Sofa lägen. Ein Grundeinkommen werde die Kreativität der Menschen in Gang setzen. Werner sprach im Rahmen der Vorlesungsreihe „Das Geheimnis des Gelingens“. Die Göttinger Nikolaikirche war vollbesetzt.

Von Michael Caspar

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