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Campus Göttingen Göttinger Gründerinnen und ihre Geschichten
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16:41 28.06.2018
Denise Gunkelmann und Isabel Schellinger (v.l.) sprachen über ihre Gründungserfahrungen im Einzelhandel und der Medizintechnik. Quelle: sg
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Göttingen

Ein Unternehmen gründen – eine leichte Sache? Nicht ganz, aber es geht. Das war die Botschaft, die die Gründerinnen Denise Gunkelmann und Isabel Schellinger auf Einladung der Hochschulgruppe des Bundesverbands deutscher Volks- und Betriebswirte anderen Gründungsinteressierten mitgaben.

Die deutsche 0-zu-2-WM-Niederlage gegen Südkorea hatte auch bei der Gründerinnen-Veranstaltung an der Uni Göttingen Spuren hinterlassen: Es hätten mehr Besucher sein können, und eine der drei vorgesehenen Referentinnen sagte kurzfristig ab, ihre Stimmung sei im Keller. Doch wer kam, zeigte sich sehr interessiert an den Erfahrungen der beiden Referentinnen Denise Gunkelmann und Isabel Schellinger.

„Unverpackt“-Laden in Göttingen gegründet

Denise Gunkelmann ist Inhaberin der Göttinger Neueröffnung „Wunderbar unverpackt“ – der Laden in der Groner-Tor-Straße verkauft seit Mai 2018 verpackungslos Lebensmittel wie etwa Nudeln oder Hülsenfrüchte aus dem Spender, individuell abfüllbar. Die hiesige Niederlassung ist allerdings schon der zweite Laden der gebürtigen Göttingerin und wurde über Crowdfunding finanziert. Ihren ersten hatte sie bereits vor anderthalb Jahren in Braunschweig eröffnet.

Die Idee, sich mit diesem Konzept selbstständig zu machen, sei entstanden, als in Deutschland die ersten Unverpackt-Läden eröffneten, so Gunkelmann. Eine Rolle habe natürlich auch der persönliche Bezug gespielt, da sie selbst zunehmend verpackungsfrei eingekauft hat. „Was habe ich zu verlieren, habe ich mich damals gefragt. Ich hatte einen Job, in dem ich unglücklich war, war insgesamt nicht so zufrieden mit meiner Lebenssituation. Die Idee ist langsam gereift und hat sich richtig angefühlt.“

Dann machte sie Nägel mit Köpfen und fuhr nach Kiel, zu Deutschlands erstem Unverpackt-Laden, und ließ sich dort beraten. „Nach vier Stunden habe ich meine Leute angerufen und gesagt: Ich schreibe einen Businessplan und mache einen Laden auf. Das war eine aufregende Zeit.“

Bereut hat sie es nicht, doch die Belastung macht sich bemerkbar. „Es gibt immer Potenzial zur Verbesserung“, sagt Gunkelmann. Sie macht das meiste selbst, Werbung, der umfangreiche Papierkram. Aber irgendwann, nach zehn Stunden im Laden, sechs Tage die Woche, muss Schluss sein, sagt sie. „Es hat gedauert, bis ich alles auf die Reihe bekommen habe. Das erste Jahr möchte ich nicht noch einmal durchmachen.“

Forschungsaufenthalt in Stanford

Über die Zeit reingerutscht in die Gründungsidee – so beschreibt auch Isabel Schellinger ihre Erfahrungen. Im Rahmen der Doktorarbeit ging die Medizinerin für einen Forschungsaufenthalt nach Kalifornien an die Universität von Stanford, mitten im Herz des Silicon Valley. „Dort ist es nicht unüblich, dass Ärzte nicht nur Ärzte sind, sondern manchmal auch Erfinder.“ In Stanford traf sie auch ihren späteren Mitgründer Uwe Raaz.

Die beiden beschäftigten sich mit der Bauchaorta, speziell ihrer Weitung, bei der es später zu einem Riss kommen kann. Die bisherigen Therapiemöglichkeiten können jedoch erst in einem späten Stadium greifen und sind sehr risikobehaftet. Schellinger und Raaz konnten einen Ansatz entwickeln, der bereits in einem frühen Stadium die Weitung aufhalten kann.

Auf die Idee, ein Patent anzumelden, hat sie die Uni Stanford mit ihrer professionellen Unterstützung gebracht. Das Potenzial für eine solche Therapie ist groß: Weltweit sind etwa 100 Mio. Menschen von der Bauchaortenweitung betroffen, allein 54 Mio. in den zwei größten Märkten USA und Europa. Raaz und Schellinger sind 2015 nach Göttingen gekommen und haben 2017 ihre Firma Angiolutions gegründet, die die Weiterentwicklung der Therapie vorantreibt. „In Stanford ist das ein sehr geordneter Prozess gewesen. In Göttingen haben wir weiter Forschung betrieben. Aber wir haben das Projekt nicht losgelassen und es hat sich Schritt für Schritt entwickelt“, sagt Schellinger. „Es gab keinen Schlüsselmoment, in dem wir gesagt haben: Wir sind jetzt Gründer.“ Von der Forschung zur Ideenvermarktung war es ein weiter und steiniger Weg, einer mit schmerzhaften Erfahrungen, vielen Rückschlägen, die aber alle geholfen haben, sich weiterzuentwickeln. „Nicht jeder Schritt muss ein Erfolg werden. Wenn man zu dieser Haltung kommt, gewinnt man viel.“

Von Sven Grünewald

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