Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Gunter Hampel über Jazz, Spiritualität und Improvisation

Mit den Prinzipien der Freiheit Gunter Hampel über Jazz, Spiritualität und Improvisation

Der renommierte Göttinger Jazzmusiker Gunter Hampel sprach auf Einladung des Seminars für Musikwissenschaft über „Die Rolle des kreativ-spirituellen Musikers als improvisierender Komponist". Hampel leitet auch einen  Workshop an der Göttinger Universität, der am Sonnabend mit einem Konzert endet.

Voriger Artikel
Gestaltung von Kampagnen für Organspende
Nächster Artikel
DNA-Struktur: Neue Erkenntnisse

Jazzmusiker Gunter Hampel bei einem Workshop mit jungen Flüchtlingen im November.

Quelle: Heller

Göttingen. „Im Jazz wurden aus Musikern selber Komponisten.“ So beschreibt Gunter Hampel den Unterschied zwischen Klassik und Jazz. Dabei betont er für den Jazz die Rolle der Improvisation, den Bezug zum Körper und die Spiritualität. Am Mittwoch sprach der 78-Jährige im Theologicum. Der Vortrag war beste „Oral History“ eines weltweit renommierten Jazzmusikers, der diese Musik in Europa und den USA mit geprägt und erlebt hat.

Hampel referiert zuerst in groben Zügen über die Entstehung des Jazz. Anschaulich erklärt er wie Afrikaner als Sklaven nach Amerika deportiert wurden. Weil es ihnen verboten war auf afrikanischen Instrumenten zu spielen, fingen sie an zu singen. Später durften Musiker wie der Pianist Jelly Roll Morton europäische Instrumente erlernen. Diese waren allerdings nicht für die fünf-tönige Pentatonik Afrikas ausgelegt, sondern für das 12-Ton-System Europas. Hampel: „Jazz begann als Afrikanern erlaubt wurde mit ihrer afrikanischen Art auf europäischen Instrumenten zu spielen.“ Dabei habe das Schlagzeug eine besondere Rolle gespielt. Vor fast hundert Jahren entstand in New Orléans dieses Instrument aus verschiedenen Perkussionsinstrumenten. Bis heute gibt das Schlagzeug dem Jazz seinen vitalen Puls.

Der in Göttingen geborene und lebende Hampel gilt als anerkannter Erneuerer und Vertreter des Free Jazz, der eine eigene europäische Jazzsprache geschaffen hat. „Wir Musiker haben in den 1960er Jahren gelernt auch mit den Prinzipien der Freiheit gemeinsam Musik zu machen.“ Vielen Jazzmusikern sei es wichtig gewesen, politische Aussagen in die Musik zu legen und durch sie zu einer spirituellen Tiefe zu gelangen.

Der Jazz-Künstler berichtet wie er mit Indianern in New York auf einem Dach musizierte, wie er mit dem afroamerikanischen Musikerfreund Marion Brown als einziger Weißer auf einem Jazzfestival in den USA war und davon wie bei einer Aufführung eines Werkes des Komponisten Hans Werner Henze erstmals eine Jazz-Band in einem Opernhaus auftrat.

Am interessantesten sind die Botschaften, die man in Fachbüchern nur selten liest. Für Hampel war und ist Jazz immer auch eine spirituelle Handlung. Während in der europäischen Klassik Musik im Kopf stattfindet, sei im Jazz die Bewegung des Körpers wichtig. Er kritisiert die heutigen Jazzschulen, verpönt die noch immer gespielten Jazz-Standards und hält den aktuellen Jazz für stagnierend und zu kommerziell. Aus den vielen nacheinander entstandenen Stilen zieht er den Schluss: Ein Jazzmusiker sollte immer etwas Innovatives schaffen.

Bevor Gunter Hampel mit seiner „Music & Dance Improvisation Company“ kurz demonstriert wie Musiker und Tänzer gemeinsam improvisieren, schlägt er den Bogen zu den Flüchtlingen in Europa. Er sieht Chancen durch die Zuwanderung aus dem Nahen Osten nach Europa. „Auch die Traditionen dieser Menschen passen in den Jazz. Durch unsere Musik können wir aus den Verwirrungen der heutigen Zeit eine neue Gesellschaft schaffen.“

Gunter Hampel gibt am Sonnabend, 16. Januar, nach einem Workshop mit Studenten ein Abschlusskonzert mit seiner „Music & Dance Improvisation Company“ sowie Workshop-Teilnehmern. Das Konzert beginnt im Musikwissenschaftlichen Seminar, Kurze Geismar-Straße 1, um 20 Uhr.

 Von Udo Hinz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ausstellung „on/off“ über den Nobelpreis in der Alten Mensa Göttingen