Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Gute Stimmung beim ersten „Hörsaal Slam“
Campus Göttingen Gute Stimmung beim ersten „Hörsaal Slam“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 29.10.2018
Kurz vor der Abstimmung durch das Publikum (v.l.): Joachim Linn, Thorben Schulte, Johannes Floehr und Felix Römer. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Am Sonntagabend wurde am Zentralcampus der Universität Göttingen der erste „Hörsaal Slam“ ausgetragen. Organisiert wurde der Poetry Slam im größten Hörsaal des Gebäudes von Felix Römer und Joachim Linn. Römer kommt aus Berlin und ist selbst seit 12 Jahren in der Poetry Slam Szene aktiv. „Ich kenne die sechs Künstler und konnte sie für diesen Termin gewinnen“, sagte Römer. Römer plant und managend Poetry Slams überall in Deutschland. Der „Hörsaal Slam“ wurde von Römer und Linn gemeinsam moderiert. Der geplante Auftritt des Beatboxmeisters „Mando“ musste aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden. Stattdessen spielte für das Warm-up Max Remmert von der Band „Alter Kaffee“. „Ich mache Studenten-Pop: Von Lappen, für Lappen“, sagte Remmert über seine Musik.

Als Poetry Slam wird ein literarischer Wettbewerb bezeichnet. Beim Poetry Slam treten Künstler gegeneinander an, diese müssen in einer zuvor festgelegten Zeit ein selbst geschriebenes Werk vortragen. Die Teilnehmer dürfen ihre Textform frei wählen, aber Requisiten, Kostüme oder Instrumente sind nicht erlaubt. Neben unterhaltsamen Auftritten werden von Künstlern auch oft gesellschaftliche, politische und ökologische Probleme literarisch thematisiert. Der Sieger des Wettbewerbs wird durch das Publikum gekürt.

Bekannte Künstler für „Hörsaal Slam“ in Göttingen

Eine Wettkämpferin beim „Hörsaal Slam“ war Lara Ermer aus Nürnberg. Die 22-Jährige hat bereits mit 16 in ihrer Heimatstadt Fürth an ihrem ersten Poetry Slam teilgenommen und diesen überraschend gewonnen. Sie wurde fränkische U20-Meisterin und bayerische U-20-Vizemeisterin. Mittlerweile tritt sie bei Poetry Slams überall in Deutschland auf. Außerdem trat der Berliner Nick Pötter an. Pötter ist neben seinem Studium auf literarischen Wettbewerben aktiv. Er kam spontan über einen Freund zum ersten Poetry Slam. „Ohne seine Hartnäckigkeit wäre ich wohl jetzt nicht hier“, sagte Pötter. Nach ersten Erfolgen trat Pötter häufiger auf, 2013 gewann er die U20 Berlin-Brandenburg Meisterschaft im Poetry Slam.

Der Teilnehmer Johannes Floehr aus Krefeld nahm 2010 das erste Mal bei einem Poetry Slam teil. Zuvor hatte er vor allem Kurzgeschichten geschrieben. 2014 erhielt Floehr den Jugendliteraturpreis des Heinrich- Heine-Institutes, 2016 wurde er Dritter beim „NRW-Slam“ in Bochum. Inzwischen ist Floehr hauptberuflicher Schriftsteller und moderiert literarische Events. Aus Frankfurt kam Jakob Schwerdtfeger zum Wettbewerb nach Göttingen. Schwerdtfeger nahm an seinem ersten Poetry Slam teil, weil ihn ein Freund einfach dazu anmeldete. „Es lief gut und konnte einfach nicht mehr aufhören“, sagte er. Mittlerweile hat Schwerdtfeger durchschnittlich 15 Auftritte im Monat.

Der Göttinger Thorben Schulte ist seit 2011 aktiv bei Poetry Slams dabei. „Ich habe schon vorher viel geschrieben, aber mich nie getraut etwas davon vorzutragen“, sagte er. Schulte promovierte in Chemie und hatte daneben etwa vier bis zehn Auftritte in verschiedenen Städten Deutschlands pro Monat. Der sechste Teilnehmer ist Michael Goehre aus Essen. Goehre ist bereits seit 2002 in der Szene aktiv und ist außerdem Autor und Moderator. Mit etwa 150 Auftritten pro Jahr gehört er zu den aktivsten Poetry Slammern.

Kein klarer Favorit aber gute Stimmung

Beim „Hörsaal Slam“ traten immer zwei Künstler gegeneinander an. Nach ihren Auftritten entschied das Publikum durch lautes Klatschen, wer ins Finale kommen sollte. Die Ergebnisse waren jedoch sehr knapp und alle Künstler erhielten reichlich Applaus. „Das wundert mich nicht, bei so professionellen Auftritten ist es schwer, einen Sieger zu nominieren“, sagte Römer. Auch bei Nachfrage im Publikum konnte sich keiner der Teilnehmer durchsetzen. „Es hat sich echt gelohnt, herzukommen“, fand Franziska Berg. „Alle Auftritte waren toll, aber der Auftritt von Nick Pötter hat mir am besten gefallen“, sagte Franziska Thanel. „Mir hat besonders die Performance Johannes Floehr gefallen, aber alle waren echt gut“, so Laurin Forstreuter. Frauke Riebe und Johanna Teich können sich nicht so recht auf einen Favoriten einigen. Die Auftritte seien alle sehr unterschiedlich und auf ihre eigene Art gut gewesen, finden Riebe und Teich übereinstimmend. Die Stimmung im Publikum war ausgelassen und heiter. Infos zu weiteren Poetry Slams in Göttingen gibt es unter poetryslam-goettingen.info.

Von Max Brasch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie sind Unternehmer, Professoren, Ärzte oder Richter. Sie kommen aus Hamburg, Prag oder Seoul. Und sie sind ehemalige Studenten der Georg-August-Universität. Zum Alumni-Tag kehrten am Wochenende einige von ihnen zurück nach Göttingen.

30.10.2018

Zwei Tage lang bietet der Fachschaftsrat Jura der Universität Göttingen Schülern mit Vorlesungen und Fragerunden Einblicke ins Jurastudium. Das Schnupperstudium beginnt am Montag, 29. Oktober.

27.10.2018
Göttingen Szenische Lesung im Deutschen Theater - Die 68er-Bewegung in Göttingen

Studierende der Geisteswissenschaften der Universität Göttingen erinnern an die 68er-Bewegung in Göttingen – mit einer szenischen Lesung aus Originaldokumenten am Donnerstag, 1. November, um 20 Uhr im Deutschen Theater.

26.10.2018