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Hochwasserschutz als Hochschulthema

HAWK-Absolventin gibt Tipps Hochwasserschutz als Hochschulthema

In ihrer Masterarbeit beschäftigt sich die HAWK-Absolventin Iris Kammerer mit einem Thema, das in den vergangenen Tagen die Region in Atem gehalten hat: Hochwasserschutz. In ihrer Arbeit gibt sie Tipps zur Vorsorge und zum Wiederaufbau. Außerdem hat sie einen Fragenkatalog entwickelt, mit dem Hausbesitzer die Hochwassergefährdungslage der eigenen Immobilie einschätzen können.

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Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul überreicht Iris Kammerer den Haarmannpreis für den besten Masterabschluss 2017.

Quelle: r

Holzminden. Die Idee zur Beschäftigung mit dem Thema erwuchs aus einer persönlichen Betroffenheit: Als starke Unwetter das Elternhaus der HAWK-Absolventin Kammerer im vergangenen Sommer im Oberschwäbischen Landkreis Biberach überschwemmten, beschloss die heutige Ingenieurin, sich näher mit dem Problem zu beschäftigen. In ihrer Arbeit der Studienrichtung Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen (ENB) an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) in Holzminden beschreibt sie, wie sich Hochwassergefahren abschätzen lassen, welche vorsorglichen und nachträglichen Maßnahmen es gibt und wie man sein Haus nachhaltig wiederaufbauen kann. Ihre Ergebnisse sollten dabei praktisch umsetzbar sein, im Alltag und für jeden. Das Konzept ging auf: Den Masterabschluss hat die 26-Jährige seit Anfang Juli in der Tasche. Hinzu kommt eine besondere Auszeichnung ihrer Studienstadt: Mit einem Notendurchschnitt von 1,1 sicherte sie sich als beste Absolventin der Masterstudiengänge im Bereich Bauen und Immobilienmanagement den Haarmannpreis der Stadt Holzminden.

Das Hochwasser im Mai 2016 flutete den Keller von Kammerers Elternhaus bis zur Decke, wie die Spuren an der Wand deutlich zeigen.

Das Hochwasser im Mai 2016 flutete den Keller von Kammerers Elternhaus bis zur Decke, wie die Spuren an der Wand deutlich zeigen.

Quelle: r

Schritt eins: die Analyse. Um Hochwasserschäden wie in Kammerers Elternhaus zu vermeiden, ist eine Hochwasserrisiko-Analyse nötig. Kammerer legt in ihrer Arbeit Parameter zur Lage, zum Objekt und zu bereits getroffenen Vorsorgemaßnahmen an, aus denen sich ermitteln lässt, ob ein Risiko besteht und ob Defizite im Hochwasserschutz bestehen.

Schritt zwei: Schutz und Vorsorge: Kammerer formuliert Vorsorge- und Schutzmaßnahmen. Dabei unterscheidet sie zwischen Hochwasserschutz, der sich schon beim Bau eines Hauses umsetzen lässt, und Nachrüstlösungen. „Dazu habe ich eine umfangreiche Tabelle erstellt, die Maßnahmen zu verschiedenen Themengebieten enthält, zum Beispiel Bauwerksabdichtung, Abdichtungs- und Schutzmaßnahmen von Gebäudeöffnungen, Haustechnik oder Dachabdichtungen“, erklärt die HAWK-Absolventin. „Bei einem Neubau können diese Dinge schon in der Planung berücksichtigt werden“, führt sie weiter aus. Naheliegend sei dabei, nicht in hochwassergefährdeten Gebieten, in Senken oder Tälern zu bauen. Wenn doch, sollten Bauherren auf einen Keller verzichten und zum Beispiel über eine Aufschüttung des Grundstücks nachdenken. Falls ein Keller oder eine Tiefgarage gewünscht ist, sollte die Unterkellerung zum Schutz vor eindringendem Grundwasser mit wasserundurchlässigem Material ausgebildet werden.  Bei bestehenden Gebäuden sind dagegen nur nachträgliche Maßnahmen möglich. „Hier kann man das Eindringen von Wasser direkt am Gebäude verhindern." Als Beispiel nennt sie die Erhöhung der Kellerlichtschächte.

Und wenn es doch passiert ist? „Nachhaltiger Wiederaufbau“ lautet dann Kammerers Stichwort. „Wem der Keller einmal vollgelaufen ist, der will das kein zweites Mal erleben.“ Deshalb erarbeitete die Ingenieurin zusätzlich Sanierungsvorschläge, die beim Wiederaufbau berücksichtigt werden können. Unter anderem stellt sie Baumaterialien und Konstruktionen vor, die besonders hochwasserresistent sind. Dennoch bleibe ein Restrisiko, mahnt Kammerer. Wenn Wasser ins Haus eindringe, könnten vor allem Ölheizungen zum Problem werden: „Bringt das Wasser die Öltanks zum Kippen, entsteht eine Kontamination, die die Bausubstanz erheblich schädigt.“ Eine erste Maßnahme sei hier, die Öltanks durch Verschraubungen oder spezielle Halterungen zu sichern. Grundsätzlich rät die Ingenieurin aber zum Umstieg auf andere Energieträger. 

Das Haus der Familie Kammerer ist mittlerweile wiederhergerichtet. Die meisten Vorschläge der Tochter haben die ausführenden Firmen umgesetzt. Die Hochwasserrisikoanalyse will Kammerer der Versicherung vorlegen, mit der sie für ihre Masterthesis zusammengearbeitet hat. So oder so will sie die Ergebnisse aber jedem zur Verfügung stellen, der sich interessiert.

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