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Hannover streicht Juristen den akademischen Titel

Göttinger Fachschaft reagiert entsetzt Hannover streicht Juristen den akademischen Titel

Auf den akademischen Titel müssen Niedersachsens Juristen künftig nach dem ersten Staatsexamen verzichten. Das Land hat mit der Novellierung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes mit sofortiger Wirkung das Diplom gestrichen. Die Göttinger Fachschaft Jura ist entsetzt. Die Fakultät äußert Bedauern.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. „Nach fünf Jahren Studium ohne einen Titel dazustehen, ist für die Studierenden untragbar“, erklärt Lea Gottschalk, die Vorsitzende der Fachschaft. Damit fehle ihnen jeglicher Nachweis, während des Studiums „überhaupt etwas geleistet“ zu haben. Alle anderen Bundesländer würden weiterhin den Titel Diplom-Jurist oder Magister iuris vergeben.

Göttinger Fakulät reagiert zurückhaltender

Die Göttinger Fakulät reagiert zurückhaltender. Dekan Prof. Olaf Deinert bestätigt auf Tageblatt-Anfrage nur den Sachverhalt. Fakultätsreferent Georg Lemmer äußert vorsichtig „Bedauern“. Weil die Fakultät die Abschaffung des Diploms als „politische Angelegenheit“ betrachte, wolle sie sich dazu öffentlich nicht äußern, erklärt er. Wie Deinert verweist Lemmer darauf hin, dass das Ministerium die Entscheidung noch einmal prüfen wolle.

Das bestätigt Jan Haude, Pressesprecher des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Die Ministerin plane ein Gespräch mit den Fachschaften, um die Angelegenheit zu erörtern. Betroffen seien neben der juristischen Fakultät in Göttingen noch die in Hannover und Oldenburg. Die Abschaffung des Diploms erfolge im Zuge des Bologna-Prozesses, also der Umstellung auf die international üblichen Bachelor- und Master-Studiengänge.

Keine Umstellung, da Jura-Studium mit zwei Staatsexamen ende

Bei den Juristen, so Haude, gebe es keine Umstellung, da ihr Studium mit zwei Staatsexamen ende. Nach bisheriger Einschätzung des Ministeriums sei das Diplom nach dem Ersten Staatsexamen unnötig. Das Zeugnis, das ein geprüfter Rechtskandidat erhalte, sei „aussagekräftig“. Mit ihm könne er auch ohne akademischen Grad gegenüber potenziellen Arbeitgebern seine Qualifikation nachweisen.

Das bestreitet die Göttinger Fachschaftsvorsitzende vehement. Die Fachschaft, die derzeit mit der Organisation der O-Phase für die Erstsemester befasst sei, werde einen Flyer erstellen, kündigt Gottschalk an. Viele Studierende hätten nämlich von der Abschaffung des Diploms, die ohne jede Übergangsfrist erfolge, noch nichts mitbekommen.

Pressesprecher Haude verweist darauf, dass die Hochschulen, die Landeshochschulkonferenzen und die Landesastakonferenz im Vorfeld zu dem Gesetzesentwurf gehört worden seien. In Göttingen haben im vergangenen Jahr 620 junge Menschen ein Jurastudium begonnen. Die Zahl der Absolventen ist mit 150 bis 200 Personen erheblich niedriger.

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