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Harald Lesch brilliert mit Vortrag in Göttingen

Inventur des Weltalls und außerirdischer Seehofer Harald Lesch brilliert mit Vortrag in Göttingen

„Überwältigend, ihr seid richtig viele“, sagt Harald Lesch zu Beginn im zum Bersten vollen Hörsaal 011 der Georg-August-Universität. Gut 90 Minuten später wird sein Publikum überwältigt sein vom äußerst kurzweiligen und pointierten Vortrag über „Es werde Licht und was macht man nun damit?“.

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Genialer Rhetoriker: Prof. Harald Lesch fesselt seine Zuhörer.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Die Ausführungen des Professors für Physik an der Ludwigs-Maximilians-Universität München und fernsehbekannten Wissenschaftsjournalisten sind eingebettet in die Vortragsreihe „Faszinierendes Weltall“ des Förderkreises Planetarium Göttingen. Das Thema ist hochkomplex, doch Lesch schafft es spielend, seine Zuhörer mitzunehmen. Der gebürtige Gießener hält sein Referat frei, spannt dabei imaginäre „kleinkarierte“ Gummitücher zur Verdeutlichung der Gravitation und spricht über Gravitationswellen.

Der Ablauf ist fast so sympathisch chaotisch, wie es im instabilen Universum zugeht. Fast jede Erkenntnis und Theorie, sei sie noch so schwierig, versieht der eloquente Entertainer mit Pointen und Anekdoten. So erzählt er vom galaktischen Reisebüro, in dem ständig Trips auf die Erde gebucht werden wegen der vergleichsweise häufig zu beobachtenden Sonnenfinsternissen. Außerirdischer Besuch sei daher keine Seltenheit.

„War Horst Seehofer schon in Göttingen?“, fragt Lesch und erntet – wie beinahe minütlich – schallendes Gelächter. Über seine Gags ließe sich ein Buch schreiben.
Zum eigentlichen Thema Licht kommt der 56-Jährige auch immer wieder zurück. Plausibel erklärt er, dass Licht „der Geometer schlechthin“ sei, uns dabei hilft, die Welt zu vermessen und eine Inventur des Universums vorzunehmen. Festzustellen sei hierbei, dass instabile Systeme die Voraussetzung von Geschichte und Entwicklung sind. Dies stehe jedoch im Widerspruch zur menschlichen Stabilitätsannahme bei der Technik.

 Lesch kann auch ernste Töne anschlagen. Er kritisiert den Umgang mit Grundlagenforschung, unter anderem durch Verschwörungstheoretiker, die den Klimawandel für ein Hirngespinst der „Öko-Taliban“ halten, und mahnt: „Wir sollten die Ergebnisse der Wissenschaft auch dann genießen, wenn sie uns pieksen, da wir uns in einem instabilen Universum verändern müssen.“ Qualifizierte Ingenieure würde der Naturphilosoph lieber essenziellere Probleme lösen sehen, als die differenzierte Erwärmung „von rechter und linker Pobacke in Luxuslimousinen“. Er schließt mit einer Erkenntnis aus dem Jahr des Lichts: „Wir besitzen unheimlich viel naturwissenschaftliche und technologische Kompetenz, sind aber nicht allein auf diesem Planeten. Lassen Sie uns ihn so hinterlassen, wie er uns gegeben wurde.“

Der Vortrag wird mit lang anhaltendem Applaus honoriert. Absolut verdient, für einen Mann, dem es vermutlich sogar gelingen würde, das Paarungsverhalten von Mondsteinen bei Sonnenfinsternis unterhaltsam und verständlich zu erklären.
Den finalen Vortrag der Reihe „Faszinierendes Weltall“ hält Prof. Jens Frahm am Dienstag, 8. März, um 20 Uhr im ZHG der Universität Göttingen. Sein Thema: „Magnetresonanz-Tomografie in Echtzeit – Als die Bilder laufen lernten“.

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